Brief Ramona an Thomas

Lieber Thomas!

 

Ich habe es nicht vergessen zu schreiben, wollte aber auch erst zur Ruhe kommen und nachdem ich eine Nacht gar nicht geschlafen hatte …!

 

Für meine Aussetzer gibt es wohl keine Entschuldigung, ich bin mir dessen sehr wohl bewusst! Ich möchte immer Verständnis und denke manchmal gar nicht daran, dass es anderen vielleicht in die andere Richtung genauso geht! Das mag den Eindruck erwecken, dass ich nur egoistisch bin! Ich möchte manchmal im Nachhinein alles wieder rückgängig machen, aber das geht natürlich nicht. Ich überlege oft zu wenig vorher, was ich anrichte, welche Folgen das für mich und andere hat! Woran das aber liegt, weiß ich auch nicht!

 

Ich würde Dir gerne glaubhaft versichern, dass Du nicht auf HJ eifersüchtig sein müsstest! Meine Empfindungen für ihn, heißen nicht, dass ich Dich verlieren will. Es heißt nicht, dass unsere Ehe und Beziehung mir nichts bedeuten würden!

Ich kann und will nicht abstreiten, dass ich HJ sehr gern habe (sogar mehr als das), aber es ist eine ganz andere Liebe. Ich selber habe so etwas noch nie erlebt und kann es auch kaum irgendwie beschreiben! Ich weiß, wie Du über ihn denkst, das tut mir sehr leid, es tut mir sogar weh, aber ich kann Dich wohl nicht vom Gegenteil überzeugen. Ich habe immer viel mit ihm gesprochen, auch wenn Du sagst, er hätte mir was vorgemacht. Auch wenn Du sagst, ich würde ihn nicht kennen. Ich denke, nicht alles war eine Maske, nicht alles war erlogen. Natürlich spielt jeder Mensch auch in gewisser Weise seine Rollen, aber so wie Du das hinstellst ist das auch nicht! Natürlich kenne ich nicht alles über und von ihm, das will ich vielleicht auch nicht! Ich finde es aber sehr unfair und übertrieben, ihn als Jemanden hinzustellen, der ein Dämonenanbeter ist!

***

Aber das sollte ja nicht das Thema des Briefes werden! Ich möchte mich bei Dir von ganzem Herzen entschuldigen, dass ich so oft nicht an Deine Gefühle denke und darüber hinweg gehe! Das ist keine Absicht, es ist nur unbedachtes Handeln (ich bin eine Frau *hihi*). Ich werde mich bemühen, dass solche Dinge nicht mehr vorkommen, dass ich mich besser im Griff behalte, dass ich nicht immer nur an mich denke. Ich selber habe manchmal auch Angst vor meinem eigenen Handeln und wenn ich dann etwas vor Dir verheimlicht habe, dann nur, weil ich Dich nicht schon wieder verletzen wollte. Ich weiß doch, das es Dir weh tut, dass du eifersüchtig bist und dass du kein Verständnis dafür hast (vielleicht nicht haben kannst, vielleicht ist das zu viel verlangt?), dass mir an einer Freundschaft zu HJ immer noch so viel liegt! Ich möchte niemanden verletzen, am allerwenigsten Dich! Es hat mir sogar Angst eingejagt, dass Du gesagt hast, dass Du darum kämpfen musst, mich überhaupt noch zu lieben! Wie hätte ich Dir also davon erzählen sollen, dass ich versucht hatte HJ zu sehen und ihn abends tatsächlich (wirklich zufällig) gesehen habe? Wie hätte ich Dir in dieser Situation sagen sollen, ja ich habe angefangen einen Brief an ihn zu schreiben? Das soll aber keine Ausrede sein. Es war falsch und daran bin nur ich alleine Schuld!

Wie soll ich denn jedes Mal glaubhaft machen, dass es mir Leid tut? Ich weiß nicht, ob man mir das überhaupt noch glauben kann? Es ist aber tatsächlich so?

Vielleicht würde es mir schon besser gehen, wenn Du Dich mit HJ wieder einigermaßen aussöhnen könntest, wenn ihr Zwei aufeinander zugehen könntet. Erst Mal ohne mich und vielleicht sogar ohne mein Wissen zunächst! Wäre das wirklich zu viel verlangt? Ich weiß es selber nicht, da ich ja den Blick für manche Objektivität verloren zu haben scheine?! Bitte antworte darauf nicht, denke in Ruhe darüber nach, ok?

***

Ich möchte Dich bitten, Deinen Dienst nicht aufzugeben und weiter darum zu kämpfen, dass Du es schaffst (gemeinsam mit der Familie). Vielleicht wollen Jehonathan und Josephine in den Ferien auch mal mit Dir in den Dienst gehen?

Sie haben sich das ja schon länger gewünscht und so würdest Du mit ihnen auch Mal was „unternehmen“. Ich gehe natürlich in den Ferien auch mit Dir in den Dienst!

***

Mit einem Ältesten zu sprechen ist etwas endgültiges, er wird es nicht mehr vergessen! Vielleicht (egal was du sagst) wird man Dir sogar nahe legen mit dem Dienst aufzuhören! Ich bemühe mich wirklich in der Versammlung unseren Ruf wieder herzustellen. Letzten Sonntag wüsste ich nicht, dass ich mich abgewendet habe! Denke auch nicht zu sehr daran, dass andere Brüder sich mit Körpersprache auskennen! Denke nicht in Kategorien, in denen Du siehst und denkst! Du weißt, dass andere anders sind und anders denken. Es muss also nach Außen hin nicht immer das zu sehen sein, was Du siehst! Wenn unser Ruf erst mal wieder ein bisschen besser ist, dann fühle ich mich vielleicht auch besser. Momentan hemmt es mich, dass ich denke, dass alle mich beobachten und mich verurteilen. Das ist aber dasselbe, das ich in Kategorien denke, aber vielleicht ist das gar nicht so? Aber Du hast immer gesagt, dass wirklich alle bescheid wüssten!

Es werden auch wieder mehr Leute mit Dir in den Dienst gehen, wenn alles wieder ordentlich aussieht. Aber wenn jetzt angesagt werden würde, dass Du aufhörst, dass wäre nicht besonders gut. Mich würde es noch mehr runter reisen, weil ich mir zum einen ja die Schuld dafür gebe und zum anderen, die Anderen sollen einfach nicht Recht behalten! Außerdem, was hat HJ geopfert? Warum willst Du etwas opfern, was wir uns hart erkämpft haben?

Lass doch die anderen denken, was sie wollen!!! Ich denke, dass sie am Ende doch nicht alles wissen und schon gar nicht verstehen werden.

***

Mir bleibt nur, Dich um weitere Geduld zu bitten, mich immer wieder bei Dir zu entschuldigen und zu hoffen, dass Du mir noch glaubst, dass ich es ernst meine!

 

Ich möchte Dich nicht verlieren,

weil ich Dich eben auch liebe (hoffentlich glaubst Du das)

Deine Mona

 

 

,