Briefe von Thomas an Hans-Jürgen

Hallo Bruder Hans-Jürgen!

 

Leider haben sich ja nun die Gefühle einen negativen Entladungsweg gesucht. Schade, das es mir nicht möglich war, dein Verhalten und Deine Art Ramona gegenüber zu tolerieren. In den vergangenen Wochen gaben sich zwar alle Beteiligten (Ramona, Du und ich) die größte Mühe – doch leider reicht das nicht immer. Das Vertrauen, dass ich immer in Euch gesetzt hatte, wurde, wie du weißt , ja Ende Dezember hart erschüttert, und leider war es nicht möglich, dieses in den letzten vier Wochen wieder aufzubauen. In der vergangenen Woche erfuhr ich nicht nur, das Ramona Samstag versehentlich dich in der Hochstraße getroffen hatte – es fehlte ihr der Mut dann alles zu erzählen, - sondern auch noch, das Ramona eine Woche vorher versucht hatte dich nachts gegen 5 Uhr telefonisch zu kontaktieren. Da mir unser Telefongespräch von vergangenem Dienstag etwas anders in Erinnerung war, als das was aus meiner Sicht, heute als Ergebnis von Dir in einem Brief an Ramona herüberkam, fehlt mir jegliche Möglichkeit, das Vertrauen in den kommenden Stunden als Wiederhergestellt zu betrachten. Eigentlich hatte ich gehofft, das wir innerhalb eines Halben- oder Dreivierteljahres unsere regelmäßigen Abenden etwas unregelmäßiger fortzusetzen.

Ich hatte dich so verstanden, dass du Ramona sagen wolltest, das du nie an einer intimen Beziehung interessiert gewesen wärest. Leider kann ich aus deinem Brief nichts dergleichen erkennen, obwohl Ramona diesen Brief natürlich so verstehen will. Statt dessen musste ich in den vergangenen Wochen immer wieder sehen, dass du Blickkontakt zu Ramona suchtest – ob bewusst oder unbewusst will ich nicht diskutieren – ich kann ja verstehen, wenn du deine Gefühle zu Ramona weiterhin abstreiten willst. Leider hast du durch dein heimliches Treffen mit Ramona – ob nun als Predigtdienst deklariert, oder als Mittagessen in deiner Wohnung – in ihr das Gefühl geweckt, das du mehr als eine platonische Freundschaft wünschen würdest. Wenn du in der Literatur der Gesellschaft nachschlägst, wirst du feststellen, das du nicht der einzigste bist, dem eine aus seiner Sicht platonischen Freundschaft auf die Zehenspitzen prallt, da die Gegenseite plötzlich mehr empfindet.

Mein Wunsch von Ende Dezember, mit der Bitte, das du unsere Versammlung verlässt, um die Gefühle bei mir und Ramona zur Ruhe kommen zu lassen, war aus der jahrelangen Erfahrung mit Ramona entstanden. Leider hatten wir uns wohl doch nicht so verstanden. Ich hatte gehofft, dass du mit dem Kreisi die Möglichkeit erörterst, für eine kleine Zeit eine andere Versammlung zu besuchen – auch wenn es vielleicht nur an den Freitagen wäre, an denen du keine Aufgabe auf der Bühne hättest, um dann nach einigen Wochen der Klärung wieder weiter machen zu können. Ich hatte gehofft, das es Ramona dadurch leichter fallen würde, sich zu beruhigen, und dich aus der richtigen Sicht zu sehen. Leider wurde diese Möglichkeit in den letzten Wochen nicht genutzt. Aus meiner Sicht, wäre mit dieser Möglichkeit uns allen Dreien geholfen. Wie in den vergangenen Wochen zu sehen, war es Ramona nur schwer möglich, ihre Gefühle während der Versammlungsbesuche im Griff zu behalten. Dies stellt auch für unsere gesamte Familie eine starke Geduldsprobe dar. Wir müssen und wollen ihr mehr Zeit einräumen, um ihre Gefühle neu zu ordnen. Schade, das wir uns nicht gütiger einigen konnten, wie wir alle rücksichtsvoller aufeinander eingehen könnten.

 

In diesem Sinne – Agape Familie Thomas Pape