Brief von Thomas an Ramona

Hallo liebes Marzipanherzchen!

 

Ich freue mich schon riesig, dich heute Nachmittag wieder in die Arme schlissen zu dürfen. Leider hat das letzte Jahr ja einige negative Seiten produziert, so dass ich mir nicht mehr so sicher sein kann, ob du dich auch n och auf mich freust. Früher war es für selbstverständlich, das wir uns gegenseitig aufeinander freuen. Aber dass soll nicht der Inhalt dieser Zeilen werden. Ich habe hier sehr viel über uns und unsere Familie nachdenken können, aber auch über mich und das was ich fühle und wünsche. Wenn wir als Familie zusammensitzen bleibt ja nie die Frage, was ich eigentlich möchte, denn ihr alle seit ja die, die ich zu beschützen habe, und für die ich zu sorgen habe.

Während der Disco war ich schon echt erstaunt, was heute an Musik gespielt wird, zumal die Musik von einem Erzieher aus Hamburg aufgelegt wurde. Wir sprachen ja kurz am Telefon darüber. Was ich nicht recht verstehe ist, wie sehr du deinen Geschmack verändert hast, bzw. das du die Gefahr nicht mehr erkennen kannst. Nachdem wir telefoniert hatten, saß ich noch eine Weile auf dem Flur, und bei einer Flasche Bier unterhielt ich mich mit Frau Temme. Nach einigen Minuten erzählte sie mir, wie erstaunt sie über den negativen Einfluss der heutigen Musik ist – früher würde Jenny verboten, und heute werden eindeutige Lieder in der Disco unseren Kindern vorgespielt, und was für Frau Temme besonders schockierend war, unsere Kinder kennen die Texte, und singen mit.

Während der Disko hatte ich auch mal meinen Geschmack „überprüft“ – und mal geschaut, was mir so gefällt. Ich habe viel an damals gedacht, als wir uns kennen gelernt haben, und daran, wie wir uns aneinander angepasst hatten. Jeder hatte versucht dem anderen zu gefallen. Dann viel mir ein, dass ich dich wohl doch auf dem ersten Kongress gesehen haben könnte, wenn du da so geschminkt hingegangen bist, wie du es jetzt tust? Auf der Disko liefen jedenfalls viele Hamburger Mädels rum, einige dünn, andere mollig, die einen geschminkt, die anderen dezenter, die einen mit glatten, andere mit Dauerwelle oder Naturlocken, die einen mit kurzem, andere mit langem Haar. Ich habe ja nie ein Geheimnis aus meinem Geschmack gemacht, nur hast du es in den letzten Monaten immer als Gängelung verstanden. Ich dachte zurück, wie es war als ich als Junge/Jugendlicher im Ferienlager war, oder wie ich mit 17 mal in Buch zur Disko gegangen war, dachte daran was ich damals über Mädels dachte, und was mir damals gefiel. Nun ja, ich stellte auf jeden Fall fest, das sich mein Geschmack nicht verändert hat, auch wenn ich älter geworden bin, und natürlich auch nicht mehr frei bin mich für oder gegen das eine oder andere zu Entscheiden. Nicht das du jetzt denkest, das ich unglücklich mit dir wäre, nein, das will ich damit nicht sagen, nur das du dich in letzter Zeit so sehr verändert hast.

 

Wir hatten eben miteinander telefoniert. Mach mir eben noch Gedanken, warum du dir nicht sicher bist, das ich zu dir stehe. Bitte glaube mir, das ich dir vertraue, auch wenn ich natürlich nun etwas unsicherer bin. Aber ich weiß, dass du darauf vertraust, das ich dir weiterhin eine Stütze bin, an die du dich in Zeiten der Not anlegen kannst – und ich werde immer für dich da sein! Aus meiner Sicht gibt es nichts, was uns auseinander bringen kann. Das war auch so ein Gedanke bei der Disko. Wenn ich zurück denke, so wollte ich nie eine Freundin nur für kurze Zeit, deshalb gab es für mich nie diese Spiele wie es viele andere taten. Ich wollte immer nur eine Freundin haben, mit der ich den Rest meines Lebens – d.h. ewig- alles teilen. Wenn wir die letzten paar Wochen außer acht lassen, hast du doch alle Wünsche erfüllt. Vergessen wir einfach, dass es auch mal die Geschichte mit HJ gab, nur wäre schön, wenn du dich auch wieder an die alte Zeit anpassen könntest. Lass uns in die Zukunft gemeinsam schauen – denn ich vertraue darauf, dass du wirklich gemeinsam mit mir weiter leben möchtest, und das du nun aus dem Zwischenfall gelernt hast, das du mir immer vertrauen kannst, ohne Angst zu haben. Auch das ich von meiner Seite niemals etwas tun würde, was unsere Ehe zerstören könnte. Meine Liebe zu dir ist viel zu groß, um es zu riskieren.

Was muss ich tun, damit du deine Gefühle zu mir wieder noch weiter vertiefen kannst? Was muss ich tun, damit du mir wieder vertraust, wenn ich Entscheidungen bezüglich unserer Freizeitgestaltung – wie Musik oder Filme usw.- treffe? Was muss ich tun, damit wir wieder gemeinsam studieren? All das fehlt mir momentan. Ich will das Thema von oben noch einmal aufgreifen. Nein, ich bin nicht der einzigste, dem eine bestimmte „Form von Frau“ gefällt. Nicht die gesteilten Frauen sind die gefragten, nicht die dürren – auch das konnte ich wieder einmal beobachten. Nur in der Werbung wird uns allen immer erklärt, wie man aussehen sollte, um „in“ zu sein. Aber für mich war das Aussehen nicht das wichtigste, sondern deine Auffassung von vielen geistigen Dingen. Leider hast du in der letzten Zeit mache Dinge nicht mehr so gesehen, aber ich vermute, das nach einigen Wochen des Studiums Dein Verhältnis zu Jehova wieder so ist, dass du auch viele Dinge wieder mit dem geistigen Auge siehst. Ja, das Aussehen ist mir nicht s wichtig, aber es war und ist doch nicht unwichtig. Ich kann dir leider nicht erklären, warum ich dünne Frauen nicht als schön empfinde. Du hattest oft das Gefühl, das ich möchte, das du dich nicht schön machst? Nein, ich möchte schon, das du dich schick machst, nur leider ist unser Geschmack da wohl etwas auseinander. Etwas dezent gefällt es mir sehr, nur eben nicht so das man sich dann nicht mehr berühren darf. Außerdem finde ich es netter, wenn die natürliche Schönheit unterstrichen wird, und nicht übermalt wird. Da ich aber nicht möchte, das du dich unwohl fühlst, ist das ein schwieriger Spagat. Da du oft auf andere hörst, und andere dir sagen, das ihnen etwas gefällt, was mir vielleicht gar nicht gefällt, habe ich oft gar keine Chance, dir meine Meinung zu sagen. Leider sind unsere geistigen Nieten oft die, die ihre Meinung dir entgegenschleudern. Ich hoffe das dir meine Meinung und mein Geschmack irgendwann wieder wichtiger ist, als die Meinung anderer.

Ich denke zurück, an die zeit als ich als jugendlicher im Ferienlager war. Kann mich n och gut erinnern, wie ich damals von einem gleichaltrigen Mädel, was aber schon Erfahrungen hatte, angemacht wurde. Damals fehlte war mein Verhältnis zu Jehova n och nicht so wichtig, wie es dann später wurde. Aber mich hielt damals vieles davon ab, mit diesem Mädchen ein Verhältnis aufzubauen: erst einmal hatte sie schon viele Freunde gehabt, und ich wäre nur einer von vielen gewesen, dass wollte ich nicht, zweitens war sie dürr, was mir gar nicht gefiel. Außerdem glaubte ich, dass mein Versprechen, dass ich in Königswusterhausen als kleiner Junge gegeben hatte, auch von der Gegenseite eingehalten wird. Als Kinder waren wir ja oft in Königswusterhausen bei der Familie Sommer – und wir hatten den Mädels oft im Spiel versprochen, das wir sie heiraten werden. Na das war, bevor meine Eltern sich trennten, und dadurch der Kontakt nach KW völlig abbrach. Es war für mich immer ein Hinderungsgrund mich irgendeinem Angebot zustellen, denn ich fühlte mich daran gebunden, und sagte immer, das ich vergeben sei. Wie groß war meine Enttäuschung, als ich nach einigen Jahren mit Andreas nach KW fuhr. Ich war glaub ich 17 oder schon fast 18 Jahre alt. Ich weiß nicht mehr, ob man es mir angemerkt hat, aber als ich erfuhr, dass in den 3 oder 4 Jahren, die wir uns nicht gesehen hatten, alles verändert hatte – und sie gar einen anderen Freund hatte – den sie etwas später auch heiratete, war das schon hart für mich. Warum? Mein Vertrauen war erschüttert, denn ich hatte mich an unser Versprechen gehalten, aber von der anderen Seite war es wohl nie ernst gemeint gewesen? Ich habe nie danach gefragt, aber vielleicht war auch als meine Eltern ausgeschlossen wurden, gedacht worden, das wir uns eh nicht wieder sehen würden – aber es ist ja auch egal. Für mich war also schon als Jugendlicher richtige Treue wichtig – sie hat mein Leben bis heute immer entschieden geprägt. Dann kam die Zeit, die ich in Zühlsdorf verbrachte, da ich ja aus meiner Sicht wieder frei war. Dianas Eltern waren gegen unser Verhältnis, da ich den Bauernhof und die Schafe nicht weiterführen würde. Deshalb versuchten sie alles, um uns zu trennen. Das für Diana aber geistige Ziele immer wichtiger waren, war den Eltern wohl nicht bewusst. Leider hatten sie ihr Ziel, mich bei ihr schlecht zu machen, und uns zu trennen eher geschafft. Trotzdem fühlte ich mich gebunden, bis ich hörte, das Diana mit dem Bruder Werner zusammen war. Als ich dann im Spreewald war, und zusehen konnte, das diese Schwester unter Treue etwas ganz anderes verstand, war für gleich klar, das es dort keine Zukunft gab.

Wie froh war ich, als deine Post bei mir ankam, und du jemand bist, für den Treue nicht ein Fremdwort ist. Lass uns die Fehler der letzten Wochen als nicht so wichtig einstufen, lass uns in die Zukunft schauen, und an unserer Gemeinsamkeit weiterbauen. Bitte versuch den wt in den nächsten zwei Wochen als Warnung zu verstehen, und bitte hilf uns beiden, das wir beide darauf achten, das uns so etwas nie wieder zustößt. Lass uns bitte offen und ehrlich über alles zu reden, nicht nur wenn es nicht verheimlichen lässt, sondern immer. Lass uns unsere Liebe wieder so stark werden, das keiner sich dazwischen drängen kann. Bitte glaube mir, dass für mich das Kapitel HJ abgeschlossen ist. Es wird sich dadurch nicht viel ändern – ich werde nur noch skeptischer gegenüber anderen sein, und werde in Zukunft wohl nie wieder jemanden so nah an uns heranlassen, schon gar nicht jede Woche einladen. Geistige Tiefschläge oder geistige Provokationen werde ich in Zukunft immer zum Beenden einer Freundschaft zwingen. Aber ich hege die Hoffnung das sich an unserer Beziehung nichts ändern wird. Wahrscheinlich werde ich die nächsten Monate etwas eifersüchtiger über dich wachen – aber das wirst du bestimmt aushalten? Fühl dich dabei bitte nicht zu sehr eingegrenzt – den vernünftigen Gesprächen mit Petra S. oder Elke hatte ich ja nie etwas entgegen zusetzen, deine Gesprächen im Forum und per Email waren ja auch nie ein Problem - wenn es dort nicht um uns und/oder gegen unsere Familieninteressen ging.

Glaub mir, das sich von meiner Seite in unserer Beziehung nicht viel geändert hat, obwohl du deine Einstellung zu vielen Dingen verändert hattest. Wir schaffen das! Da ich hier einen ständigen Mitleser habe, wird ich jetzt Schluss machen mit schreiben. In Liebe Dein Thom