Briefe an Hans-Jürgen - Das einsame Blatt

Im Herbst hing ein einsames Blatt am Baum
alle anderen hatten es längst verlassen,
so sah ich mich in einem Traum
und kann ihn nicht mehr vergessen.
*
Erst wehte nur ein leichter Wind
und das Blatt wogte sanft hin und her.
Später wollte der Wind geschwind
das Blatt schaukeln, noch mehr!
*
So blies der Wind immer doller,
das Blatt konnt sich grad noch so halten.
Doch der Wind blies immer noch voller,
niemand kam um ihn aufzuhalten.
*
Es wirbelten alle Blätter vom Boden,
die schon vom Herbstwind buntbemalt, herunterfielen.
Sie tanzten fröhlich bis ganz nach oben
und riefen, das Blatt soll mit ihnen spielen.
*
Doch das Blatt konnte nicht loslassen
von dem wunderschönen Zweig, an dem es so hing.
Verstand nicht, wie alle so ausgelassen
tanzten und riefen: "Nun spring!".
*
Der Sturm musste Gewalt anwenden
um schmerzlich Beide zu trennen!
Beide sollen nie wieder einen Gedanken verschwenden
und sollen sich nicht mal mehr kennen.
*
Der Zweig wird des Winters eisige Kälte
gewiss überstehen auch alleine.
Und dann, wenn er vorbei, wird in Bälde
ein neues Blatt an seiner Seite sein!
*
Das Blatt jedoch wird nie mehr gefunden,
gefallen und zertreten ist es fort!
Es wurde verschüttet von eisigem Schnee und wurde zerschunden,
es ist nie mehr dort!
*
War das Blatt für den Zweig nur eines von Vielen?
Oder denkt er besonders an dierses Eine?
Wird er jemals genauso mit anderen "Spielen"?
Oder ist dieses Baltt das "Seine"?
*
So durfte das Blatt es niemals wissen,
was er wirklich gedacht und empfand.
Vielleicht wird der Zweig das Blatt vermissen,
doch er es ihr niemals gestand!
*
Warum muss man seine Gefühle bekämpfen
und sich dagegen entscheiden?
Warum immer sein Gemüt dämpfen
und dabei nur leiden?
*
Später denkt man vielleicht zurück
und will etwas ändern, doch kann es nicht!
Man denkt wehmütig an vergangenes Glück,
so das einem das Herz zerbricht!
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