Briefe an Hans-Jürgen - Aufarbeitung

Gedanken an Dich … !

 

Ich werde wach und merke, mein Kissen ist nass! Ich habe geweint und sofort bemerke ich das flaue Gefühl in der Magengrube … warum? Sogleich fällt es mir wieder ein … Deine Briefe, Messerstiche in meine verletzte Seele, ein gewaltsames Losreisen von mir! Fragen nach dem Warum, wieder keine Antworten. Ein Wunsch nach dem Wiedereinschlafen wird mir verwehrt, auch der Nacht gelingt nicht, was dem Tag nicht glückte, mich vor Tränen und Schmerzen zu beschützen! Mein Herz krampft sich zusammen und ich versuche mich in meine Erinnerungen zu flüchten … schließe meine Augen und sehe dein Gesicht vor mir! Du bist mir in diesem Augenblick wieder nah!

*

In meinen Gedanken gehe ich zurück, viele Jahre und sehe ganz deutlich, wie du in Karow auf der Bühne standest, so als wäre es gestern gewesen. Was ich dachte und fühlte, ich fühle es wieder, so als würde es gerade passieren! Ich höre dich sprechen und mich durchfährt ein Schauer, angenehm und irgendwie fremd. Erste Sehnsucht nach dir, ohne zu ahnen, wo sie endet! Es war nicht dein Aussehen, nein, du hast dem Ideal nicht entsprochen, genauso wenig wie ich deinem. Wahrscheinlich hast du mich nie zuvor im Leben wahrgenommen, so wie ich dich wahrgenommen habe! Es waren deine Gesten, deine warme, volle und männliche Stimme, dein Art zu formulieren, einfach Du! Viele tausend Kleinigkeiten, die mir in dem Moment unendlich vertraut und doch geheimnisvoll erschienen. Doch du gingst wieder aus meinem Leben, damals erschien es mir gut! Ich habe dich immer wieder gesehen, auf Kongressen, wie du da standest, meistens alleine, ohne wirklich jemanden an dich ran zu lassen. Ich war fasziniert von deinem scheinbar immer gleichen Gesichtsausdruck, der irgendetwas zu verbergen schien! Ich sah etwas Geheimnisvolles in dir, etwas was es verdient hat zu ergründen … aber du warst weit fort und irgendwie machte ich mir nie die Mühe über dich nachzudenken, damals nicht!

*

Irgendwann warst du ganz und gar weg, weit weg, vielleicht sogar aus meinen Gedanken, aber nicht weit genug, um dich nicht sofort zu erkennen, als du vor mir standest!

Irgendwann im April, einem Monat, den ich nicht sonderlich mag war es dann soweit. Ich bin nichts ahnend zur Versammlung gegangen, alles schien wie immer, bis zu dem Moment als ich dich da stehen sah. Irgendwie hast du dich von allen anderen abgegrenzt, du warst für dich alleine, als ob du nicht dazu gehörtest! Ich wusste sofort, du bist ER, der mir nie im Leben hätte begegnen dürfen, mein Herz schlug schneller, als ob es ahnte, was mir bevorstand! Ich schaute dich kaum an, am vorbeigehen die Hand gebend. Ich war für dich bestimmt nicht beachtenswert, du ahntest nicht, dass da ein Herz höher schlug, beim flüchtigen Blick in deine Augen! Was ich damals dachte, ich sagte es dir und du lachtest! Doch von da an, lasse ich dich kaum aus meinen Augen, hoffend du merkst es nicht!

Am 18.04.2002 kamst du das erste Mal zu uns, ich war krank, fast froh, dir nicht gegenüberstehen zu müssen. Aber andererseits traurig dich nicht zu sehen, aber schon eine Woche danach am 25.04.2002 kamst du wieder, inzwischen ein Jahr älter geworden! Ich musste mich stellen, konnte nicht weglaufen, wollte nicht weglaufen. Sofort haben wir uns verstanden, ich brachte dir Sympathie und Offenheit entgegen, etwas für dich vielleicht Fremdes, desgleichen schlug mir entgegen von Dir! Was war es damals für dich? Du hast mir zugehört, dir endlos lange und wiederholt meine Probleme angehört, kaum etwas dazu sagend, unterbrechend nur selten mit eingeworfenen Fragen, die mich dazu gebracht haben, mir Antworten selber zu geben! Keine Schuldzuweisungen, kein Zweifeln an dem was ich erzählte, es war wichtig, ich fühlte mich ernst genommen. Du warst noch immer ein Geheimnis für mich und zu dir durchzudringen, dein Herz zu berühren, das war mein Wunsch! Aber NEIN, ich verliebte mich nicht, ich hielt standhaft alles dagegen, was es dagegen zu setzen gab! Ich redete mir ein, das du nicht mein Typ bist, eine Weile funktionierte das auch, als ob es in der Liebe darum ginge, wie jemand aussieht, als ob äußere Werte mehr zählen als Innere! Als ob ich mir Männer jemals auf diese Weise ausgesucht hätte. Als ob ich nur mit Männern zusammen gewesen war, weil sie meinen Traumvorstellungen eines Mannes entsprachen. Als ob ich mich selber oberflächlich einschätzte! Aber es ging gut, fast ein Jahr lang … bis … Ja bis wann eigentlich?

*

Ich halte inne in meinen Gedanken und mir fallen deine Briefe ein … einem Schwall von Tränen kann ich mich nicht erwehren, sie kommen über mich ohne das ich sie eingeladen hätte! Ich wische sie in meine Bettdecke, der Rest tropft auf mein Kissen, das schon weisgeränderte Flecke von dem Salz der Tränen hat! Ich versuche mich wieder in positive Erinnerungen zu verstricken … überlegend wann hatte ich den Kampf aufgegeben? Wann hatte ich gemerkt, dass es sinnlos war gegen dieses tiefe und echte Gefühl in mir drin zu kämpfen? Es fällt mir kein genauer Zeitpunkt ein, nur bruchstückhafte Erinnerungen an damals geschehenes lässt mich ahnen, das ich selber kaum merkte wann es geschah, vielleicht aus Unachtsamkeit, einen Moment die Gefahr nicht sehend und nachlassend zu kämpfen? Ich erinnere mich nur an die Unruhe, die sich einstellte, einige Stunden bevor ich dich zu sehen gedachte! Noch immer dachte ich mir nichts Ernstes dabei, noch immer wollte ich nicht ahnen, was dies bedeutete! Auch als sich immer mehr ein Herzklopfen einstellte, wenn du zur Tür herein kamst, schob ich solche Gedanken weg! Auch als ich anfing tagtäglich an dich zu denken, mich an Momente erinnerte, an Gesten und daran was du sagtest … ich mich im Grunde schon in Tagträume flüchtete, nein auch dann nicht! Irgendwann befiel mich ein Unwohlsein, wenn ich dich mit anderen sah, als hätte ich ein Recht darauf, dass du dich mit mir beschäftigst! Das hatte ich natürlich nie, es war ein Geschenk, ein wunderschönes. Es missfiel mir, wenn ich merkte, wie du regelmäßige Unternehmungen mit anderen (vor allem Frauen) plantest, ein wenig Eifersucht war dabei. Vielleicht findest du die oder jene wortgewandter, intelligenter, interessanter? Als hättest du das gemerkt, was in mir vorging hast du mich beruhigt, indem du mir genau erzähltest was du darüber denkst! Ich war beruhigt … hatte das Gefühl, wir haben eine einzigartige Beziehung zueinander, etwas in unseren Herzen, was uns berührt hat! Ich wollte es in mir bewahren … denkend, das ich dich liebe und du es nie wissen wirst, weil du jemanden wie mich nie lieben könntest. Sicher entsprach ich nie den idealen Vorstellungen, die du an eine Frau hast, nicht äußerlich. Kann ich dich fesseln, faszinieren, für mich begeistern, einnehmen? Ich wünschte es mir!

*

Wieder unterbrechen Tränen meine Gedanken, ich denke daran, das du mich nun nicht mehr sehen willst, das ich keine Chance mehr haben kann, mit dir zu reden … ich habe Angst! Ein >> nie wieder <<, etwas Endgültiges, hoffnungslos! Kein Schweigen, sondern eine Sprachlosigkeit, keine Pause, sondern Stagnation, Starre, Stille, Agonie  Tod! Nein, das darf nicht sein, mein Weinen wird krampfhaft, ich will nicht weinen, aber muss … alles kommt aus mir heraus, der ganze jämmerliche Schmerz! Wenn er dadurch aufhören würde … ja, das wäre gut, doch er hört nicht auf … wird schlimmer, tagtäglich! Sehnsucht nach dir beherrscht mich … denkst du ich will das? Am liebsten wäre mir, du wärst mir egal … ich hätte dich nie gesehen, hätte dich nie geliebt!

*

Weiter fortfahrend in meinen Erinnerungen denke ich mich fast ein Jahr zurück, es ist der März 2003, langsam wird mir gewahr, ich bin verliebt … oder ist es schon mehr? Ich ahne, dass ich unachtsam war und beschließe es mein Geheimnis sein zu lassen, wen geht es was an? Zur selben Zeit nahm ich eine Veränderung wahr, etwas in die war wärmer, offener als sonst! Deine Augen waren wacher, nicht mehr immer nur halbverschlossen, du sahst mich an mit einem Blick, den ich vorher nicht kannte von dir! Was war das? Endgültig war es um mich geschehen … jedes Wort, jede Geste, jeden Moment saugte ich in mich auf, als wollte ich es aufsparen für Momente wie jetzt, in denen ich nicht mehr weiter weiß, in denen ich davon zehren muss! Ich wollte mehr Zeit, dich besser kennen lernen, mehr wissen! Vielleicht hoffend, auch du würdest mich dann nicht so schnell vergessen und könntest davon zehren! Es gelang mir meine Ideen umzusetzen, mehr Zeit mit dir zu haben, immer mehr! Es war schön, nicht nur für mich, ich habe es gespürt! Ich wollte dich begleiten, ich lies mir etwas einfallen, hatte immer passende Erklärungen für jeden parat! Ich war froh, als du Einladungen annahmst, Freizeitgestaltungen mit uns zu verbringen! Andreas kam mir gelegen mit seinem Vorschlag, dich an die Ostsee mitzunehmen! Ich war glücklich, richtig glücklich! Einen Tag danach, ich wollte das erste Mal zu einem Vortrag außerhalb unserer Versammlung. Ich werde nie dein freudig überraschtes Gesicht vergessen und wie glücklich ich war, das du mir erlaubt hast, das ich neben dir sitzen darf! Ich genoss es, auch weil ich ahnte, was wohl die anderen denken würden … auch du musst es geahnt haben. Das erste Mal durfte ich in deinem Zimmer sein. Ich wollte es so gerne sehen, das eigene kleine Reich von dir … so etwas verrät so viel über einen Menschen. Auch wenn du es selber nicht eingerichtet hast, ich war zufrieden mit dem was ich sah, es erfüllte meine Erwartungen und passte zu dem Bild, was in meiner Vorstellung existierte! Du ahntest wahrscheinlich nicht, was es mir bedeutete mit dir in deinem Zimmer zu sein, einen kleinen Teil deines Lebens beleuchten zu dürfen, die Nahe zu sein. Aber du gabst mir das, was ich mir wünschte … unbewusst! War das schon der Anfang vom Ende?

*

Ich zucke fürchterlich zusammen bei diesem Gedanken. Wieder ein Schwall Tränen und ich will erneut einschlafen. Ich will nicht mehr an dich denken, nicht an das Schöne, nach dem ich mich sehnsüchtig verzehre … nicht an den Schmerz, den ich nicht zu ertragen vermag! Ich will dich vergessen, ich will dich hassen … lebe aber in dem Bewusstsein, das mir das niemals gelingen wird! Ein furchtbares Bewusstsein … aber zu ändern vermag ich es nicht!

*

Ich kann nicht mal den Gedanken an dich entfliehen. Wie auch, mein Herz ist voll von dir!

Zu diesem damaligen Zeitpunkt dachte ich noch daran, es wird niemals jemand erfahren, das ich dich liebe … nicht du … kein anderer! Andererseits dachte ich auch, >> Warum merkt er es nicht? <<. An jenem Tag standest du auf der Bühne und ich dachte bei mir >> Wenn dieser Mann wüsste, wie sehr ich ihn liebe … ! << Von da an wollte ich dich nie mehr loslassen, immer bei dir sein, dich spüren lassen, das ich dich liebe, ohne es dir jemals sagen zu müssen! Ich hoffte, dass du es ahnst, deine Blicke zeigten es ja auch! Ich ging wieder zu einem Vortrag mit … und wieder, es war der Reiz, das alle dachten wir gehören zusammen und die Ernüchterung, das ich dich nicht lieben darf, alles war so dicht beieinander … es schmerzte, doch du solltest nichts merken! Ich habe deine Blicke, deine Nähe so dicht bei mir genossen. Ich suchte nach Vorwänden dich zärtlich zu berühren, fand manchmal ein Haar auf deinem Kragen, du lächeltest mich an, als ob du meinen Beweggrund es zu entfernen durchschaut hast! Ich sehne mich nach dir, danach dir wieder ein Haar von deinem Anzug zu streichen, dich heimlich verstohlen wieder irgendwo zu berühren!

Von nun an standen wir auch oft zusammen, eigentlich immer, alle konnten sehen, da verstehen sich Zwei! Ich genoss unsere Zweisamkeit, alle anderen schlossen wir aus. Viele schauten fragend, was man wohl mit dir zu bereden hätte, wo doch kaum einer klar kam mit dir … ich schon! Ich wollte allen zeigen, was für ein besonderer Mensch du bist, das man mit dir lachen kann und dich gern haben muss! Ich ahnte doch nicht,. Dass dies von einigen Leuten nicht gerne gesehen werden würde, ich wollte einfach lachen und genießen.

Zu dieser Zeit begann ich auch mehr und mehr zu merken, deine Körpersprache war mir mehr zugeneigt als zuvor, wir haben den Kreis geschlossen und niemanden mehr herein gelassen, niemanden haben wir an unserer Zweisamkeit teilhaben lassen, wir waren alleine, egal wie viele Menschen um uns waren! Unsere Gespräche vertieften sich und fanden andere Themen, oft hatte ich das Gefühl, das wir an den anderen vorbei redeten, egal was sie dazu sagten, manchmal passte es einfach nicht mehr zu dem, was wir uns zu sagen hatten. Unsere Blicke sagten uns das einander, du hast es auch gespürt … da bin ich sicher! Wir fanden Zeit füreinander, in der wir alleine waren, schöne Zeit und es war uns recht! Ich merkte, das du völlig anders warst, als du kamst und wusstest, wir werden alleine sein! Es war fast so, als würdest du nach hause kommen … jedenfalls für mich. Es verkrampfte sich sofort, wenn Thomas nach hause kam, ich konnte das spüren!

Vieles erinnert mich an diese wundervolle Zeit … Melone, Banane, Popcorn, Raffaelo und Birnen! Wie soll ich das jemals wieder unbeschwert genießen können, ohne an dich zu denken, mit dem bitteren Beigeschmack, das du mich aus deinem Leben endgültig entfernt hast … ohne eine Hoffnung deine Freundschaft jemals wieder zu gewinnen?
*

Wieder ziehe ich meine Bettdecke über meinen Kopf, um mich ins ganze Dunkel zu verkriechen, so als ob es dort leichter wäre, dem Schmerz zu begegnen! Die Nacht ist nicht dunkel genug, ich sehe immer noch die Hand vor Augen, die Straßenlaternen leuchten in mein Fenster und ich sehe sich bewegende Schatten an der Wand … erzeugt vom Scheinwerferlicht der vorbeifahrenden Autos. Ich spüre, das meine Haut von dem Salzgehalt der Tränen langsam zu spannen beginnt, ich wische sie einfach weg, als könnte ich so auch den Schmerz wegwischen … aber es geht nicht!

*

Es war schon Herbst geworden, hinter uns lag ein wunderschöner Sommer, voll mit Gemeinsamkeiten, die wir ineinander fanden. Auf einmal begann ich eine noch nie da gewesene Traurigkeit in dir zu spüren … aber ich fragte nicht. Wer auch immer dich fragte, wie es dir geht, er bekam dieselbe Antwort immer wieder. Nein, das wollte ich nicht! Ich war dir nahe und spürte es. Du hast nichts gesagt, aber erzählt, wie andere dich darauf angesprochen haben. Ich bildete es mir also nicht alleine nur ein, aber ich schwieg, ich wollte dich nicht in eine Verlegenheit bringen, die du nicht wolltest … hoffte, du würdest mir schon sagen, wenn du etwas sagen willst! Ich selber war ebenfalls mit Traurigkeit erfüllt, merkend wie sehr du mir immer mehr am Herzen liegst! Ich wollte deine Traurigkeit einfach wegwischen, ohne an meine zu denken. Aber Hilflosigkeit überfiel mich, denn ich war die Schwächere von uns, also wie konnte ich dir helfen?

Der November nahte, du wolltest weg fahren … allein der Gedanke war für mich alles andere als erbauend. Du so weit weg von mir, so viele Kilometer. Wann würdest du verstehen, das ich dich liebe … würdest du an mich denken, wenn du so weit weg bist? Ich beschloss dir ein wenig zu zeigen, das ich nicht nur irgendeine Schwester war … sondern die eine, die dich besonders lieb hat! Du erinnerst dich an das Ferreroküsschen, eingewickelt in einen Zettel … mit einem Kuss von mir, der durch meinen Lippenstift auf das Papier gedrückt war! Ich war aufgeregt bevor ich es dir gab, schon während der ganzen Versammlung und danach … ich traute mich nicht … wollte aber! Das Küsschen weichte langsam in meiner Hand, ich sah dich alleine stehen am anderen Ende des Saales, kam zu dir … gab es dir in die Hand, während mein Herz so laut schlug, das ich befürchtete, du könntest es hören! Mein ganzer Körper zitterte vor Aufregung … teils Angst … aber ich tat es, musste es tun! Ich sah dein Lachen, deine Neugier danach, was es ist, hielt dich davon zurück, es augenblicklich auszupacken … war fast froh, nicht dabei zu sein! Hätte dennoch gerne dein Gesicht gesehen, deinen Puls gefühlt!

*

Gerade eben bei dem Gedanken, fast ein Lächeln huscht über mein Gesicht, findet ein jähes Ende, weil ich mich sofort in der Realität einfinde, nicht verstehend, wie du das alles wegwerfen kannst, mich fallen lässt … einfach so? Obwohl du alle meine Ängste kennst. Angst, dich zu verlieren, Angst, du wärst nicht mehr für dich da, ich habe sie dir in all’ meiner Offenheit nie verheimlicht, in dem Vertrauen, du würdest es niemals gegen mich verwenden. In der Hoffnung, du würdest es in deinem Herzen bewahren und es wäre dir möglich daran denkend immer einen Weg zu finden, genau das nicht zu tun … mich allein lassen, mit allem Schmerz!

*

Spätestens jetzt hättest du dir meiner Liebe gewiss sein müssen … dachte ich. Aber ich war mir nicht sicher! Beim Wachtturm-Studium begannst du mich aus den Augenwinkeln anzulächeln, wann immer sich die Gelegenheit dazu bot, ich empfand das als angenehm, schmeichelhaft, wunderschön! Ich dachte immer wieder, warum niemand sieht, was für ein wunderbarer Mensch du bist! Warum darf ich es sehen und dich nicht lieben, so wie ich es gerne tun würde! Es fing mich an zu quälen. Deine Traurigkeit war immer noch da, gepaart mit einer bestimmten Nachdenklichkeit. Ich ahnte, du denkst vielleicht an dasselbe wie ich? Aber ich wusste es nicht, immer bliebst du ein Geheimnis für mich! Unsere Gespräche blieben, unsere Blicke blieben, deine Körpersprache mir zugeneigt und immer näher rückte der November. Ich entschloss mich, dir eine Karte zu schenken, es sollte eindeutig sein, aber mir doch noch Gelegenheit zum Rückzug bieten … heikel … aber im Schreiben war ich immer schon wortgewandter als im Reden, deshalb ist mir dieser Spagat auch geglückt. Der 1.Nov. war da und wir sahen uns das letzte Mal vor deinem Urlaub! Ich hatte die Karte schon vor der Versammlung in deinen Briefkasten gesteckt, was nicht einfach war, ohne gesehen zu werden. Ich teilte dir mit, das sich etwas im Briefkasten befand, wieder dein Lächeln, deine Neugierde und etwas Vorfreude in deinem Gesicht, ich genoss es, war ja weit weg, wenn du es finden würdest, wenn du es liest … und irgendwie war es ja auch gut, das du ein paar Tage ziemlich weit weg wärst. Die darauf folgenden Tage waren alles andere als leicht für mich. Irgendwie spürte ich, du warst weit weg, was mich beunruhigte, andererseits … was denkst du von mir, wegen der Karte? Dein Anruf am Mittwoch, du kamst eher aus deinem Urlaub, ich war heilfroh, deine Stimme zu hören … durchs Telefon klingst du besonders gut! Ich wollte am liebsten gar nicht mehr auflegen, aber irgendwann wusste ich auch nicht mehr, was ich dir noch erzählen sollte, um dich weiterhin am Hörer zu halten … wir würden uns ja am darauffolgenden Tag sehen. Ich ahnte noch nicht, dass dies einer der schönsten Tage in meinem Leben mit dir werden sollte! Meine Angst war erst einmal verflogen, du könntest böse auf mich sein. Nichts hätte ich schwerer ertragen können als dies!

Trotzdem war ich den darauffolgenden Donnerstag völlig aufgedreht, es war der 8. November und ich hatte einen Rest Unsicherheit in mir! Der Abend rückte immer näher und ich wurde immer kribbeliger! Es klingelte … diesmal schon von oben … ich wollte unbedingt die erste an der Tür sein, was mir gelang. Mein Herz klopfte mal wieder so sehr, das ich es durch meinen ganzen Körper spürte. Du standst ganz dicht an der Tür, als ich aufmachte musste ich unmittelbar ganz nah vor die stehen … Absicht? Einen Moment lang sahen wir uns in die Augen, ohne das einer von uns auch nur eine Bewegung machte. Ich sah deine Augen noch nie vorher so, offen … klar … warm! So wie du an diesem Abend hat mich in meinem ganzen Leben noch nie ein Mann angesehen! Durch meinen ganzen Körper spürte ich diesen Schauer, angenehm, prickelnd und alle schwere Last auf einmal von mir nehmend! Jetzt musstest du wissen … spätestens jetzt … dass ich dich über alles liebe! Anfangs war es wie immer, zuerst Essen, dann Film anmachen, Du neben mir, ich neben dir … so wie ich es liebte! Wir rückten immer näher zueinander … nicht nur von mir ging das aus. Ich spürte deinen Arm an meinem lehnend und es kribbelte in mir, ich versuchte noch näher zu rücken, dir so nahe zu sein, wie es nur ging! Nur durfte es niemand merken. Es war dunkel, nur das flackernde Licht des 8 Millimeterfilms auf der Leinwand durchbrach die Dunkelheit, romantische Stimmung hätte es fast sein können, wären wir nur alleine gewesen! Meine Hand war zwischen deinem Bein und meinem, in meinem Kopf sagte alles zu dir >>Nimm meine Hand, halte sie fest << doch du hörtest mein Flehen nicht … wie auch. Ich rückte meine Hand immer weiter zu dir, bis mein Finger dein Bein berührte, du liest dir nichts anmerken … wie immer! Ich begann dich zu Streicheln, habe gespürt, dass du es genießen konntest, dass es dich genauso erregt hat, wie mich. Ich wünschte mich weit weg … mit dir zusammen irgendwo zu sein, wo uns niemand verbieten kann, uns zu lieben und unsere Liebe zu leben! Im Film kamen Delphine vor, wir sahen uns in die Augen, der Film war unwichtig, lief nur nebenher, als Alibi! Die anderen im Raum, sie waren unwichtig, während wir uns in die Augen sahen, gingen wir nebenher auf die Gespräche der anderen ein, aber alles war nur zweitrangig … nebenbei … nicht wichtig, wir sprachen miteinander eine ganz andere Sprache, spürten eine Nähe wie nie zuvor. Das kam doch nicht alles nur von mir! Ich war glücklich und traurig zugleich.

Am nächsten Tag war ich froh, alleine in die Versammlung zu gehen, ich wollte neben dir sitzen, du hast es erlaubt, sprachst mich auf einen Zettel an, den ich dir um einen Apfel gewickelt hatte. Darauf stand ein Text aus Sprüche: >> Auch hinter einem Lachen kann ein Herz voll Schmerz sein. << Du klangst schroff, ich bekam Angst … wollte nicht mit dir sprechen! Mein Herz war so voller Angst, dass ich anfing zu weinen, das erste Mal musstest du meine Tränen sehen! Es war mein erster Zusammenbruch … ich konnte weder die Nacht, noch am nächsten Tag wieder aufhören zu weinen. Erst zwei Stunden, bevor du kamst, habe ich mich beruhigt! Mein Anblick muss Elend gewesen sein. Du kamst,, warst extrem ruhig an diesem Abend, nachdenklicher als sonst, hast kaum ein Wort gesagt, auf Anfragen nur mechanisch geantwortet. Ich hatte Schuldgefühle dir gegenüber. Was hatte ich getan …? Abends fasste ich allen Mut zusammen und raunte dir in der Küche zu, ich würde dein Angebot annehmen. „Welches Angebot?“-- „Mit dir zu reden.“-- „Du kannst mit mir über alles reden.“-- „Wirklich über alles?“-- „Ja, über alles.“! Beruhigend klang das, nach dem Schweigen deine sanfte, verständnisvolle Stimme zu hören! Ich nahm mir allen Mut zusammen, ich konnte nicht reden, was sollte ich sagen … wie sollte ich es sagen, ohne das es naiv, kitschig und oberflächlich klingt! Wie sollte ich erklären, wie lange mein Herz dich schon kennt? Ich tat das was ich am besten konnte … schreiben. Am nächsten Tag gelang es mir, wieder alleine zur Versammlung zu kommen, ich ging eher weg, kaum aus der Haustür gegangen, rief ich dich an, ich wollte dich nicht einfach unerwartet überfallen! Wir saßen fast eine Stunde in deinem Zimmer, ich redete irgendwie im Kreis, du sagtest, dass ich in Rätseln spreche, aber deine Augen deuteten mir an, das du genau verstehst wovon ich rede. Der Brief lag verschlossen auf deinem Tisch, zwischen uns. Wieder Versammlung, wir saßen zusammen, ich genoss es, dachte, wer weiß, vielleicht wirst du nach diesem Brief nie wieder mit mir reden wollen, nie wieder neben mir sitzen. Ich konnte meine Tränen wieder nicht unterdrücken, merkte aber, dass du diesmal besser damit umgehen konntest, vielleicht hattest du nachgedacht?

Nach dem Ende der Zusammenkunft kamst du von der Bühne direkt auf mich zu, hast dich ganz nahe vor mich hingestellt, mich angesehen, lieb und warm, offen! Ich muss wohl fragend geschaut haben, nach einer Weile sagtest du mir: „Ich weiß, was in dem Brief steht, ich kann dir nur sagen, du brauchst keine Angst haben, es wird sich nicht ändern, wir sind Freunde und bleiben Freunde. Solche Sachen passieren und ich werde dich nicht damit alleine lassen, wir werden zusammen das Beste daraus machen.“ Mir war zwar klar, das du es nach all’ meinen Bemühungen es dir zu zeigen, gemerkt haben musst, aber du hattest mich verunsichert, weil du andererseits geradezu eindringlich darauf bestanden hattest, ich solle mit dir reden, mit deiner dir eigenen Art, deine Wünsche klar und deutlich zu formulieren. Wusstest du, dass ich mich dem nicht entziehen konnte? Ich fragte etwas verwirrt: „Warum hast du dann darauf bestanden, das ich es dir sage, wenn du es bereits weißt?“, deine Antwort: „Zunächst einmal waren es ja nur Vermutungen.“ Aber zu dem Zeitpunkt hattest du meinen Brief noch immer nicht gelesen, er lag ungeöffnet an dem selben Platz, an dem er lag, als wir dein Zimmer verlassen hatten! Deine Worte ermöglichten es mir wenigstens etwas beruhigter nach hause zu gehen, ich musste nicht mehr weinen, rief am nächsten Tag an und von da an öfter! Du als bekennender Telefonmuffel schafftest es mit mir längere Gespräche zu führen, das half mir, ich hörte deine Stimme, fühlte mich dir Nahe, konnte davon zehren, bis zum nächsten Telefonat, bis zum Wiedersehen!

Irgendwie kann ich mich an sehr vieles, auch wörtlich erinnern, nur an eines nicht mehr; Wie kam es dazu, das wir in den Dienst gingen? Wir gingen jedenfalls in den Dienst, unterhielten uns. Du willst mir erklären, was für ein Mensch du wirklich bist, du denkst, ich habe mich verliebt, weil ich dich anders sehe, als du bist! Ich mache dir klar, wie ich dich sehe und deine Antwort darauf: „Jetzt hast du mich aber beeindruckt!“ klang fast überrascht, das ich dich zum einen nicht unwesentlich anders sehe, als du dich selber und zum anderen trotzdem über alles liebe! Ja, ich habe dir gesagt, das ich dich als einen verwöhnten, großen Jungen sehe, noch immer ständig seinen Willen haben muss und wegen der langen Zeit alleine ziemlich auf Egoismus programmiert ist! Was ich damals noch nicht wusste ist, dass dein Egoismus mit vollster Härte auf mich einschlagen würde! Ich hoffte niemals dich zu ändern, nein, einen Menschen ändern, das kann man nicht, soll man nicht, schon gar nicht, wenn man ihn liebt! Außerdem liebe ich dich wirklich so, wie du bist, noch immer! Nur was ich hoffte, du wärst bereit auf mich einzugehen, auch wenn es schwierig werden würde, und wir wussten von Anfang an, es wird schwierig werden! Wir trafen uns im Königreichsaal, du nahmst dir Zeit für mich, hast mich ausweinen lassen, hast mir gezeigt, gesagt, du hast mich gern, wir werden uns lieben! Dennoch ging ich schweren Herzens weg! Von da an gingen wir regelmäßig in den Dienst, ich schrieb dir viele Briefe und Karten, in denen ich alle meine Gefühle, Gedanken und mein gesamtes Innerstes offenbarte, gerade zu nach Außen kehrte. Ich fing irgendwann an, Gedichte zu schreiben, etwas Neues … eine mir bis dahin fremde Erfahrung! Mir kamen diese Gedanken, die mich nicht mehr verließen, bis ich sie zu Papier gebracht hatte. Ich schenke sie dir, als einen Teil von mir, den ich in deine Hände legte, vertrauend, dass du sorgsam mit meinen Gefühlen umgehen magst! Das tatest du wirklich, wir taten einander gut, ich konnte das spüren! Komischerweise verschwand nach meinem ersten Brief deine spürbar gewesene Traurigkeit, als ob eine Last von dir genommen wurde. Schon alleine das zu sehen, machte mich glücklich, egal das ich selber fühlte! Du kamst in den Saal, dein Blick mich suchend, ein geheimnisvolles Lächeln auf deinem Gesicht, ich liebte diesen Blick, liebe ihn noch immer … vergesse ihn niemals!

Einmal, freitags, nach der Versammlung, fragte ich dich, ob ich für dich schlechter Umgang sei, deine Antwort war sehr lieb: „Nein, eine ganz, ganz liebe Schwester.“, aber nun … was hat sich seit damals geändert? Außerdem sagtest du mir bei einer Gelegenheit, auch nach einer Zusammenkunft, mit diesem schelmischen, geheimnisvollen Blick: „Deine Briefe und Karten haben mich sehr berührt und ich will dir sagen; ich werde immer für dich da sein, du kannst Tag und Nacht anrufen, oder zu mir kommen.“ Alles Worte, von denen ich geglaubt hatte, sie gelten gerade für schwere Zeiten, die uns zwangsläufig bevor standen! Was brauche ich in guten Zeiten, in denen ich mir selbst helfen kann Beistand? Jeden Freitag, jeden Sonntag habe ich dir Kleinigkeiten an die Tür gehangen, ich wollte dir irgendwie Nahe sein, dir meine Liebe zeigen, etwas von der Zuneigung zurückgeben, die ich bekam von dir! Es war niemals ein Hintergedanke dabei, das ich dafür etwas fordern würde, es war freiwillig und es ging nur darum, dir etwas Geben zu dürfen! Es machte mir viel Freude, dies für dich tun zu dürfen. Es war etwas wundervolles, etwas was nur wir zwei wussten und uns gehörte, uns niemand jemals wieder wegnehmen kann!

Ich wollte nicht mal, dass du dich verpflichtet fühlst, dich zu bedanken, du weißt das! Ich gab es von Herzen, dem Mann den ich liebe, über alles liebe, als Ersatz für etwas was ich dir nicht geben durfte! Auch als ein Ersatz dafür, das ich immer wieder gehen musste, du immer wieder gehen musstest. Ich hoffte irgendwie würdest du diese Geste verstehen.

*

Es ist frühmorgens, langsam übermannt mich der Schlaf doch, ich dämmere unmerklich wieder ein, wache erst wieder auf, als Salomé ihren Kopf auf meinen legt, ihre Wange an meine. Mir wird gewahr, dass es schon hell ist. Ich streiche Salomé über ihre Locken, sanft, sie streichelt meinen Arm, ich wache langsam irgendwie auf, sogleich an die Nacht, die Tränen, den nicht vergehenden Schmerz denkend. Ich habe Mühe weitere Tränen zu unterdrücken, Thomas liegt nun wieder schlafend neben mir, ich drehe mich weg, brauche noch einige Minuten dösend, bis ich endgültig aufstehen kann! Der Blick in den Spiegel bietet mir einen grausamen Anblick, meine Augenlider sind dick angeschwollen, unter den Augen dunkle Ränder, meine Haut von den Tränen ausgetrocknet, meine einst fröhlichen Augen wirken leblos und traurig, sogar auf mich selber! Wer ist das? Bin ich das etwa? Kaum, das ich mich selbst erkenne! Ich schleiche mich durch die Wohnung, was soll ich zuerst tun, wie mich von den mich umklammernden Gedanken an dich befreien, oder zumindest ablenken? Es funktioniert nicht. Egal, was ich tue, wohin ich gehe … du bist immer bei mir. Ich versuche irgendwelche alltäglichen Dinge zu tun, die notwendig sind. Einige Zeit lang, habe ich meine Wohnung geputzt wie besessen, noch mal irgendwo übergewischt, wo gar nichts mehr über zu wischen war! Reine Beschäftigungstherapie, weiter nichts! Dann wieder fallen in ein tiefes Loch, zu nichts Lust, zu nichts Kraft, hängen lassen, schlecht fühlen. Dich verstehen wollen, aber dich nicht verstehen können, Sehnsucht nach dir befällt mich, Angst, du willst mich wirklich niemals wieder sehen, wenn dieser Zustand anhaltend ist! Am liebsten will ich keinen Menschen mehr sehen, mich einschließen, verkriechen, keinen mehr an mich heran lassen. Meine Essstörungen kommen mit aller Macht zurück. Mal esse ich nicht, kein Hunger, kein Appetit … später übermannt mich der Hunger und ich esse wahrscheinlich zu viel und falsche Sachen. Ich erinnere mich an die Energie, die ich hatte, als du noch für mich da gewesen bist, an den Elan und die Kraft … wo ist sie hin, hast du sie mit dir genommen? Meine Essstörungen hatte ich das erste Mal im Leben überwunden, durch deine Zuwendung und Nähe! Ich muss irgendwie durchhalten, mich ausgeweint haben, bis Thomas aufsteht. Ich schaffe es oft, manchmal auch nicht! Keinem kann ich verbergen, was in mir vorgeht, jeder der mir in die Augen sieht und mich annähernd kennt, sieht meinen Schmerz, nur du nicht? Wo bist du? Warum hilfst du mir nicht? Ich erinnere mich wieder an deine Briefe, Vorwürfe, Schuldzuweisungen, weiter nichts, kein liebes Wort! Ich selber wollte dir niemals Vorwürfe machen, niemals, bitte glaube mir das! Ich weiß nicht, womit ich das getan haben soll, ich bedaure, nicht die rechten Worte gefunden zu haben! Aber in Wirklichkeit kamen die Vorwürfe wohl eher an mich, aus deiner Richtung, voll erwischten sie mich. Wie ein angeschossenes Reh, welches gejagt, fast zusammengebrochen immer wieder getroffen wird, ohne das man es endlich erlegt! Nein, ich bin sicher, du wolltest mich nicht verletzen, mir nicht wehtun! Du tatest es, ich frage mich aber, ob du wusstest was du mir antust, oder ob es aus Angst geschah? Wieder versuche ich Erklärungen zu finden, für all dein Handeln, Fragen nach dem Warum, Wieso … kann keine finden … mein Herz zerreist aus Sehnsucht nach dir und ich kann mir kaum vorstellen, das du das nicht weißt! So oft habe ich geschrieben, auch gesagt, dass es egal sein wird, wie du mich behandeln wirst, ich werde dich trotzdem immer lieben! Du entscheidest nur darüber, wie sehr ich leide. Du hast entschieden, du hast dich dafür entschieden mich elendig leiden zu lassen und schaust von weitem auch noch zu … warum das denn? Was empfindest du dabei, Genugtuung oder ebenfalls Schmerz? Willst du wissen, ob meine Liebe noch immer so groß ist, das du mich verletzen kannst und zum Weinen bringst? Nein, das bist doch nicht du! Ich versteh es nicht, suche nach Erklärungen, die es mir leichter machen würden, finde immer keine. Ich bin in einem Labyrinth gefangen, überall stoße ich nur an Begrenzungen, suche neue Wege, scheine mich im Kreis zu drehen, ohne den Ausgang zu finden. Suche ich den Ausgang überhaupt? Was erwartet mich am Ausgang, ein Weg für immer ohne deine Zuneigung und Freundschaft oder stehst am Ausgang du und gibst uns eine zweite Chance … das wünsche ich mir so sehr! Bist du irgendwann dazu bereit, wenn sich der Staub gelegt hat, wenn alle davon überzeugt sind, dass wir uns egal sind? Oder bin ich dir über Nacht egal geworden, hast du mich nicht mehr lieb? Fragen, Irrwege --- ohne Antworten auf ewig???

*

Wieder einmal ein Tag, den es gilt hinter mich zu bringen, ich denke immer nur, die Zeit irgendwie vergehen zu lassen. Ich muss aus dem Haus, gehe jeden Tag denselben Gang, was mir an sich nichts ausmacht, das ist in jedes Menschen Leben eben so! Aber ich gehe an „unserer Ecke“ vorbei, jeden Tag und es schmerzt, ich schaue in die Richtung aus der du immer gekommen bist, sehe vor meinem geistigen Auge wie du auf deinem Fahrrad angekommen bist … von weiten … immer näher kommend. Deine Stirn kraus gezogen, wenn du nah gekommen bist und mich vom Fahrrad aus ansahst! Das hatte immer etwas jungenhaftes, etwas lausbübiges, trotz deiner grauen Haare, die du gar nicht gerne siehst und nicht verstehen kannst, dass ich das an dir liebe. Du bist abgestiegen und hast dein Haar zurechtgestrichen, eine Geste, die mir gefallen hat! Du hast jedes Mal besonders gelächelt, wenn du kamst, zufrieden, wissend, das ich mich mit dir gerne treffe, das ich jemand bin, der es ehrlich meint, nichts schlechtes über dich denkt, dich liebt! Doch da kommst du nicht mehr, deshalb ist das eine Erinnerung, die mich sofort einen tiefen Stich spüren lässt, ich muss weiter gehen, gehe weiter, denke an dich, versuche nicht zu weinen, weine aber trotzdem! Ich schweife weiter in meinen Erinnerungen und denke daran, wie du immer deinen Mantel angezogen hast, du hast da eine ganz eigene Art an dir. Zuerst greifst du in die rechte Manteltasche, danach in die Linke, es war jedes Mal wie ein Ritus, immer das Gleiche, als würdest du den Inhalt prüfen müssen! In der rechten Manteltasche hast du eine Packung Taschentücher ohne Umhüllung, in der Linken nur ein Taschentuch immer griffbereit, falls die Kälte dir wieder abverlangt es zu benutzen. Manchmal ziehst du den ganzen Packen heraus, nimmst eines der Taschentücher weg und steckst es in die linke Manteltasche. So kleine Dinge haben sich bei mir fest eingeprägt, Abläufe, die du selber vielleicht nicht mal wahrnimmst, Alltäglichkeiten! Intensiv habe ich sie in mich aufgenommen, aufgesaugt, wie ein Schwamm, als hätte ich gewusst, das ich es benötigen würde um überhaupt etwas zu haben, woran ich mich klammern kann. Du wirst das nicht verstehen … oder doch? Sind meine ganzen Empfindungen für dich egal? Ich sehe dich in deiner grünen Strickjacke, die ich eigentlich nie mochte, ich habe es nie gesagt, es ist ja deine Strickjacke! Irgendwie hat dieses Grün nicht zu dem Grün deiner Augen gepasst, es ist kein schönes Grün, aber ich liebe dich ja nicht, wegen dem was du anziehst … es war mir wichtig, was in den Sachen steckt … Du, nicht was um dich herum ist! Jetzt würde ich dich gerne in dieser grünen Strickjacke sehen, als überhaupt nicht, als vielleicht nie wieder mit dir Zeit verbringen zu dürfen. Mit Schrecken erfasst mich der Gedanke, das du weit weg sein wirst, ohne das du mir Gelegenheit gibst, dich zu erreichen, das ich dich vielleicht wie ganz früher auf Kongressen irgendwo stehen sehen muss, ohne mit dir reden zu dürfen, nun aber wissend, wer du bist, wie du bist und das DU es bist, den ich über alles liebe! Nein, das kann ich nicht! Wirst du mir das antun? Wird das Leben uns das antun? Kannst du, wissend wie ich denke, fühle und für dich empfinde das über dich bringen, so zu mir zu sein? Jede Mal, wenn du mich von weiten an dir vorbeigehen siehst, einen kurzen Blick zu dir rüberwerfend, sehnsüchtig und traurig, wirst du es wissen, das ein furchtbar trauriges Herz nach deinem schreit! Wenn du da irgendwo stehst und mich vielleicht von weitem siehst, dein Blick nach mir Ausschau hält, wirst du dich daran erinnern, das egal ob ich nach außen fröhlich bin, auch mein Lachen meine innere Traurigkeit nicht nehmen kann! Dir wird wieder einfallen, das du es bist, der aus meinem Innersten denjenigen verdrängt hast, der 19 Jahre lang mein Leben begleitet hat, tief in meinem Inneren verborgen, tagtäglich mit mir gehend. Jetzt wirst du es sein! Ich bin mir fast sicher, dass es dir bestimmt auch lieber wäre, zwischen uns wäre alles geblieben, wie es war, schön und geheimnisvoll, wir könnten uns noch immer sehen! Woher nehme ich meine Sicherheit? Aus meinen Erinnerungen, aus allem, was ich mit dir erlebt habe und ein letzter Funke Hoffnung, du hast mich trotz allem immer noch lieb! Gefühle sind stark, sie können vieles überwinden, auch Angst! Meine Liebe ist groß und sie zeigt dir immer wieder Wege zu mir, vielleicht gehst du eines Tages wieder einen, eingedenk dessen, das ich mich nach dir sehne! Vielleicht hast du eines Tages auch mal wieder Sehnsucht nach mir?

*

Und immer wieder während ich daran denke, was ich an dir liebe, was schön war, wird mein Sinnen durchbrochen mit den Fetzen der Ereignisse der vergangenen Wochen. Für dich ist es ein Ende mit Schrecken, für mich ein Schrecken ohne Ende, denn du weißt, ohne dich schaffe ich es nicht! Im Übrigen ist das nur ein Spruch. Du weißt, wie sehr ich Sprüche liebe, aber ich neige dazu sie zu nutzen um andere zu erbauen, nicht um ihnen niederreisende Botschaften zu übermitteln, mit denen sie nichts anfangen können! Oft sind es knappe Formulierungen, die dahingeworfen werden, die am meisten verletzen, weil wir keine Kenntnis davon erlangen, warum etwas wie gesagt wird! Es ist viel zu viel passiert, um das es wieder so werden kann wie es mal war? Das mag sein, nur frage ich mich die ganze Zeit, ob Etwas was passiert unsere Gefühle ändern können oder nur unser Handeln? Mein Gefühl für dich ist bestehen geblieben. Ungelebte Liebe kann auch niemals sterben, das wird mir immer klarer! Komischerweise brennst du dich mit jedem Stich in mein Herz noch weiter in meine Seele ein, vielleicht ist dir das sogar bewusst, denn du hast ja genug Bücher darüber gelesen, wie man so was macht! Nein, ich weiß nicht, das wäre bestimmt gemein, wenn du das tätest, so denke ich nicht über dich! Wieder Fragen, keine Antworten, Sackgasse, Labyrinth …! Ich frage mich, hast du auf diese Weise alle Menschen verloren, die dich geliebt haben? Ich vermute, dass du der Meinung bist, du müsstest es mir leichter machen, dich nicht mehr zu lieben, obwohl du doch meine mehrfache Bestätigung hast, dass dies nicht der Fall sein wird. Allein du glaubst es nicht! Du verlierst meine Lieb nicht, selbst wenn du mich hassen solltest, ich wusste wovon ich dir erzähle, nicht umsonst habe ich dir alle diese Dinge von mir geschildert, bittend du mögest sorgsam mit meinen Gefühlen umgehen und mit mir!

*

Oft am Tag wird mein Sinnen durchbrochen von anderen Menschen, die meine Aufmerksamkeit einfordern! Manchmal gelingt es mir zu lachen, einen Moment gelebte Fröhlichkeit, man kann nicht 24 Stunden am Tag nur tieftraurig sein, das gelingt keinem. Es sind nur keine Anzeichen dafür, dass ein Prozess des Vergessens eingesetzt hat. Ich selber würde gern vergessen, wäre gern so wie diejenigen, denen es gelungen ist, dich relativ einfach aus deinem Leben zu streichen, einfach weiterzugehen, ohne mich noch einmal nach dir umzusehen! Aber, das bin nicht ICH! Ich weiß, wie ich bin, lange genug konnte ich selber Bekanntschaft mit mir machen, mich studieren, aber nie mir helfen!

Am Ende eines jeden Tages denke ich, das es schön ist, wieder einen Tag verbracht zu haben, die Zeit streicht vorbei, ich immer wartend, das vielleicht ein Wunder passiert! Hoffend darauf, du erinnerst dich daran, wie schön es mit uns war, du würdest irgendetwas tun, mich sehen zu wollen. Aber immer Angst, du wirst mich nie mehr sehen wollen! Meine Angst gilt aber auch der Tatsache, dass ich immer mehr erfahre, wie die anderen Ältesten hinter dir her sind. Schon lange und unabhängig von der Angelegenheit mit mir. Zu Viele nahmen Anstoß daran, was du wie getan hast, haben sich beschwert! Wirst du am Ende denken, alles sei meine Schuld, wenn man dir auf die Füße tritt? Wirst du mich hassen? Den Gedanken kann ich kaum ertragen!

Irgendwann eines jeden abends schlafe ich immer ein, dösend ins Land der Träume fliehend, jedes mal an dich denkend, wissend mitten in der Nacht werde ich aufwachen und weinen!

*

So geschieht es auch wieder, ich wache auf, kaum das Thomas das Haus verlassen hat. Diesmal werde ich wieder einschlafen, denke ich bei mir, ich bin nicht nur psychisch am Ende, sondern langsam auch physisch, an keinem gehen diese ewigen schlaflosen Nächte vorbei. Ich stehe auf, es ist dunkel, ich taste mich zur Küche und suche nach Schokolade als Einschlafkatalysator, das muss doch helfen. Ich finde etwas, esse, gehe schnell zurück, denn es ist kalt. Kaum im Bett liegend ereilt mich wieder diese Unruhe, ich sehe dich in dieser unsäglichen grünen Strickjacke hier sitzend, wie es immer war! Ich taste mich wieder aus dem Bett, nein ich will nicht an dich denken, warum gelingt es nur nicht? Ich suche nach dem Buch, was ich mir versteckt habe, um es heimlich zu lesen. Ein Roman, den ich vor Jahren mindestens dreimal gelesen habe, der mich damals gefesselt hat. Ich habe öfter in den vergangenen Jahren an dieses Buch denken müssen, aber wie du weißt, ist ja nichts von mir übrig geblieben. Neulich sah ich es durch Zufall im Supermarkt, habe es mitgenommen. Ich will es dir irgendwann geben, vielleicht gefällt es dir auch!? Ich finde dieses Buch und beginne zu lesen, es fesselt mich noch immer. Dennoch bei einigen Formulierungen, mit denen bestimmte Charaktere beschrieben werden, muss ich an dich denken, obwohl nur sehr wenige Ähnlichkeiten festzustellen sind. Ich würde es ja verstehen, wenn es sich bei dem Buch um meinen geliebten Roman „Die Dornenvögel“ handeln würde, aber so. Ich kämpfe, will mich ablenken, nichts gelingt! Was tust du momentan, kannst du schlafen, oder liegst du wach, liest du? Warum will ich das wissen, warum kannst du mir nicht egal sein, sogar jetzt nicht, wo du mir das Gefühl geben willst, das du mich mutwillig den Verletzungen preis gibst, auf meine Reaktionen lauerst, dich scheinbar daran erfreust! Nein, es ändert an meiner Liebe, meiner Sehnsucht nichts, gar nichts, denn ich wehre mich an das zu glauben, was ich scheinbar sehe und man mir deutungsvoll einredet! Ich will nicht so denken, wie man mich glauben machen will, ich meine dich besser zu kennen! Und mir kommen Worte in den Sinn, die du zu mir geredet hast. Einmal hast du gesagt: „Dich will ich niemals verletzen, das darfst du niemals glauben.“ Deine Augen waren dabei so offen, mich durchblickend und deine Stimme angenehm, tröstend und warm. Bei einer zweiten Gelegenheit sagtest du mir: „Ich werde mich bemühen, dir nicht mehr weh zu tun, es tut mir leid.“ Leider ahnten wir Beide nicht, das es nicht mal eine Woche anhalten sollte und dann das große Fiasko über uns brechen sollte und ich von diesen Worten lange zu zehren habe, sie immer wieder in mein Gedächtnis holen muss, um mich überhaupt zum Weiterleben zu entscheiden! Momentan aber nur in der Hoffnung, dass du doch nicht alle Brücken auf immer zu dir abreisen würdest, der Gedanke ist für mich zu unerträglich! Was ist, wenn man dich hier abberuft und du weit weg gehen wirst, anstatt nur in eine Nachbarversammlung? Wie soll ich noch mehr ertragen? Warum habe ich mein Leben nicht beendet, als ich an dem furchtbaren Freitag den Mut dazu hatte? Warum wollte ich dich noch einmal sehen und mich quälen, bevor ich es getan hätte. Ich hätte alles hinter mir, müsste mich nicht mehr quälen, nicht mehr an dich denken, du hättest endlich deine Ruhe und deinen Frieden! Immer dann wenn ich dachte, das ich noch mehr Schmerz nicht empfinden kann, dann kam noch mehr Schmerz, wie viel noch …? Ich habe den Verdacht, es kann noch viel schlimmer kommen und es befällt mich immer wieder diese Angst!

*

Jetzt wo mir deine Worte so in den Sinn zurückkommen, als würde ich mich trostsuchend daran Klammern, denke ich an diesen Tag zurück, es muss der 19.12. gewesen sein, der Tag, an dem du mein Handy bei dir hattest und Andreas mit uns auf dem Weihnachtsmarkt war. Ich war den ganzen Tag von dieser Traurigkeit befallen. Donnerstag hattest du mir gesagt, du könntest nicht mehr mit mir in den Dienst gehen, Thomas hatte mit dir geredet! Ich war mal wieder aufgelöst, verstand nicht. Ich hatte im „Hintergrund“ schon mal organisiert, dass wir uns den Sonntag sehen können, freute mich darauf und nun das …! Ich war so verzweifelt, dass ich meine Tränen wieder nicht unter Kontrolle hatte. Was sollte ich tun? Ich steckte dir eine Nachricht in deine Manteltasche. Nachts konnte ich keinen Schlaf finden, schrieb dir einen Brief, in der ich alle meine Verzweiflung schilderte! Du kamst dennoch nicht, ich lief weinend durch die Straßen, dachte dich irgendwo zu sehen, nicht wissend, dass du zu hause sitzt! Zu hause angekommen packte mich Unruhe und irgendetwas trieb mich dazu dich anzurufen, ich weinte ins Telefon! Wie konntest du zu hause sitzen und wissen, dass ich auf dich warte? Aber es war Freitag und Versammlung, ich musste mich irgendwie dazu bringen einigermaßen zu funktionieren! In Eile schrieb ich dir einen Zettel, den ich hoffte dir beim Begrüßen in die Hand geben zu können! Ich wusste nicht, dass du Ordnungsdienst hast, kam zur Tür des Königreichsaales hinein, sah dich da stehen und bin erschrocken, du sahst aus, als hättest du geweint, so habe ich dich noch nie zuvor gesehen! Es gelang mir, dir diesen Brief zu geben, nie vergesse ich dein Gesicht dabei, du hieltest meine Hand fest, irgendwie hilflos, nicht wissend, wie du den Brief unauffällig nehmen könntest. An diesem Abend hast du kein Wort gesprochen, außer kurz und bündig in Stichworten deine Leute von der Predigtdienstschule abgefertigt. Eine Aufgabe hattest du auch und das Schlussgebet, das sich an diesem Tag merkwürdig anhörte, wenn man dich kennt! Aber glaub mir, es hat mir das Herz zerrissen, als ich dich so gesehen habe, genau wie es mir das Herz zerreist, wenn ich dich jetzt so sehe! Das einzige Mal, als ich ein verschmitztes Lächeln an diesem Abend über dein Gesicht huschen sah, war als ich draußen vorm Saal der Petra gesagt habe, das ich am Sonntag ihre Versammlung besuchen werde! Hoffnung blitzte in mir auf, willst du mich doch sehen! Trotzdem ging es mir am Samstag schlecht und Traurigkeit hüllte mich ganz und gar ein! Das einzig Schöne war Salomé’s Begeisterung in den Augen, wegen all der Karussells und bunten Lichter! Ich war froh, dass wir es rechtzeitig geschaffte hatten zu hause zu sein, um dich zu sehen. Du kamst kurz nach uns an, ich war noch dabei Salomé auszuziehen, es war mir recht, denn das machte es mir möglich als erste an der Tür zu sein! Sofort sah ich in deinem Gesicht, du willst mir etwas sagen, aber ich redete schnell irgendwelche Belanglosigkeiten daher aus Angst, jemand könnte aus irgendeinem Zimmer kommen und uns zuhören! Du standest schon ganz nah vor mir, als du mit leiser, warmer und so vertrauter Stimme zu mir sagtest: „Ich habe es mir überlegt; wir werden Predigen gehen und ich möchte, das du am Sonntag kommst, ich werde da sein!“ Mein Herz hat vor Freude höher geschlagen, wirklich vor Freude und alle meine Traurigkeit war mit einem Mal wie weggefegt! Das muss sogar Linda aufgefallen sein, denn am Tisch sagt e sie auf einmal zu mir: „Was ist denn los, du lachst ja auf einmal wieder?“, meine Erwiderung: „Lass mich doch auch mal einen guten Tag haben!“ hat dir ein Schmunzeln abgerungen, wusstest du doch als einziger, warum mein Tag so eine gute Wendung genommen hatte! Danach sahen wir diesen Film: >>Weites Land<<, den zu sehen mit dir ich mich gesehnt hatte, seit du mir davon erzählt hast! Ich würde ihn gerne jetzt sehen, um dir Nahe zu sein, aber er ist nicht hier, du hast ihn! In diesen Gedanken verweilend schlafe ich irgendwann irgendwie wieder ein, erwache erst wieder als es schon kurz vor 10,00 Uhr ist, ich schrecke hoch! Der Spiegel im Bad hat wieder wenig Schmeichelhaftes für mich parat, ich gehe dichter an ihn heran, als ob ich mich versichern will, das stimmt, was ich sehe! Leider stimmt es und wird auch durch genaueres betrachten keineswegs angenehmer! Wieder hat ein Tag erst begonnen und es liegen noch Stunden vor mir, ehe auch er vergangen ist! Ich fühle mich müde und kraftlos, aber ich muss …! Später wieder den selber Weg, wieder unsere Ecke und wieder ein Blick in die Richtung, aus der du immer kamst! Ich stehe dieses Mal scheinbar ewig an der Ampel, sehe mehrere Fahrradfahrer von weiten kommen, allein du bist nicht dabei, nie wieder und mein Herz wird wieder schwer in diesem Moment! Aber ich gehe weiter, eher wohl mechanisch als das ich merke, was ich tue. Das erste Mal seit einiger Zeit bin ich ganz alleine unterwegs, ohne jemanden an meiner Seite. Ein fast fremdes Gefühl überkommt mich.

*

Ich arbeite daran mir eine Maske aufzusetzen, nur für kurze Zeiten, um nicht zu zeigen, wie es dahinter aussieht! Sobald die Tür ins Schloss fällt, reise ich mir diese vom Gesicht, endlich frei von allen Zwängen kann ich meinen Tränen den Freiraum geben, den sie brauchen um zu fließen! Unterdrückung ist noch schmerzhafter als ich dachte! Ständig diese Schlucken um nicht zu zeigen, was wirklich ist, ein Gesicht aufsetzen, das nicht dem entspricht, was wirklich ist! Meinem Wesen entspricht das nun wirklich nicht, deshalb fällt es mir so furchtbar schwer! Ich denke nun wieder ungehemmt an dich, ohne meine Gefühle zu unterdrücken! Ich denke daran, dass du mir am 24.12. dieses Buch gegeben hast und ich las es! Komisch, das dort so viel drin stand, was mir vielleicht Hoffnung geben sollte, aber meine Gedanken sind momentan so angespannt hoffnungslos, das ich keinen positiven Gedanken zulassen kann, als ob ich sie ablehnen will. Dabei wäre mir jeder Hoffnungsschimmer willkommene Abwechslung! Ich denke daran, dort stand, dass Männer manchmal Zeit brauchen, um wieder auf unsereiner zukommen zu können! Wüsste ich, dass es bei dir ebenso ist und du wieder bereit sein wirst auf mich zuzukommen, was würde ich dafür geben! Es wäre mir so wichtig! Ich hatte auf ein Gespräch mit dir gehofft, ohne Schuldzuweisungen, ohne Vorwürfe, darauf zu erfahren, wie du denkst und fühlst, um dich verstehen zu können! Hast du mal daran gedacht, dass es vielleicht auch so sein könnte, dass wenn du bereit gewesen wärst mich zu treffen, das es einige „Kurzschlusshandlungen“ meinerseits gar nicht gegeben hätte. Ich wollte doch nur, dass du mit mir redest! Aber nicht mal dieses eine Gespräch war ich dir wert, nach all dieser unserer schönen Zeit!? Ich weiß, dass du nicht immer gerne redest, mich stört das auch nicht weiter, aber Sprachlosigkeit ist etwas ganz anderes! Jedes unserer Gespräche wurde unterbrochen, nie konnte man einen Gedanken zu Ende bringen! Unser letztes Zusammentreffen für mich das allerschlimmste Erlebnis in meinen Gedanken! Du hast mir diese Dinge gesagt, bemühend dein Pokerface aufzusetzen, aber wohl ahnend oder wissend, das du dieses vor mir ja längst sowieso verloren hast! Nicht Mal das ist dir dann noch gelungen, du hattest dieses sonderbare merkwürdige Leuchten in deinen Augen und ich merkte, wieder einmal passte das nicht zusammen, was du sagtest und wie dein ganzer Körper, dein Gesicht zu mir sprach. Ich schaute nur traurig nach unten, kämpfte mit meinen Tränen, den Kampf hatte ich sowieso verloren …! Einmal bemerkte ich eine etwas hilflose Geste deinerseits, du wolltest einen Schritt auf mich zugehen, aber zwangst dich wohl selber es nicht zu tun! Du wusstest als einziger, warum ich weg gelaufen bin, deine Karte war der Grund! Ich hatte mir zum ersten Mal vorgenommen, nicht an dein Fahrrad zu gehen, dich nicht weiter zu beachten. Doch schon als du zum Königreichsaal hereinkamst und ich spürte, wie du absichtlich nicht in meine Richtung sehen wolltest, dein Gesicht merkwürdig verändert, von mir abwendend, wusste ich, es liegt etwas schreckliches in der Luft! Es war ein Zwang, der mich dazu brachte aufzustehen und doch nach unten zu gehen. Ich schloss mich dort ein, wo ich hoffte alleine zu sein, kauerte auf dem Boden, meine Arme um meine Knie und meinen Kopf in meinen Schoß gedrückt, weinte hemmungslos in meinen Rock, hoffend dort wäre niemand außer ich! Nach einigen Minuten war mir klar, dass ich so nicht wieder in den Saal gehen könnte. Was sollte ich tun? Ich schob die Briefe wieder durch deine Tür, schnappte mir eine Rolle Papier als Ersatz für Taschentücher und rannte raus, einfach weg, kein Ziel wirklich vor Augen, aber zu allem entschlossen! Ich habe an Niemanden weiter gedacht, nur meinen Schmerz gefühlt! Wo sollte ich hin, ich wollte erst einmal ja nicht gefunden werden! Ich habe mich dann auch noch verletzt und meine Hand wollte nicht aufhören zu bluten, ich presste die Rolle Toilettenpapier gegen meine blutende Hand, als würde sie so ihren Zweck erfüllen! Sie steht noch immer hier im Bad, blutverschmiert, als ein stummer Zeuge jener Nacht. Keiner traut sie anzurühren, als würden alte Wunden dadurch aufgerissen werden, als wären meine Wunden schon verheilt!

*

So an vergangene Geschehnisse denkend wird auch dieser Tag sein Ende haben, Sekunden für Sekunden … Minuten für Minuten … Stunden für Stunden vergehen so! Ebenso Tage um Tage … Wochen um Wochen, ohne ein Zeichen von dir, ohne ein Wunder für mich! Ohne das du mir deine Zuneigung zeigen willst! Ich bin sicher verschwunden ist sie nicht, so oberflächlich bist du nicht, nicht du! Und ich frage mich, wie viel Zeit noch ins Land gehen wird, ehe du mir zeigen kannst das du mich vermisst, oder nie wieder? Nie wieder, klingt für mich feindselig, hat etwas boshaftes anhaftend, ich will solche Worte am liebsten aus meinem Sprachgebrauch streichen, kann aber diese Gedanken nicht ignorieren, sie sind nun mal da! Du könntest sie ganz einfach verscheuchen, aus meinem Gedächtnis radieren … doch du willst es nicht, kannst es nicht, ahnst vielleicht noch nicht mal, dass solche Gedanken bei mir aufgekommen sind! Könnte man Gedanken einfach ausradieren, wie eine mit Bleistift geschriebene Notiz, hätte das etwas sehr reizvolles, jetzt in diesem Moment, für mich! Doch auch solche Radierungen hinterlassen in der Regel ihre Spuren auf dem Papier und sind bei näherem Hinsehen immer noch lesbar! Das Papier wird dadurch rau und dünn, es ist nicht mehr makellos, wie noch neu! Es neu zu beschreiben wird oft mühsamer. Nein, ausradieren aus meinem Leben, das kann ich nicht, will ich vielleicht gar nicht, muss ich vielleicht gar nicht … wenn du uns noch eine Chance geben könntest?

*

Ja, ich habe viele Fehler gemacht, es sind Dinge passiert, die hätten nicht passieren dürfen, ich habe Dinge von dir erwartet, die du nicht realisieren konntest, möglicherweise habe ich damit bei dir einen gewissen Druck aufgebaut! Das wird mir aber erst jetzt klar. Warum habe ich diese Fehler gemacht, hast du daran mal gedacht, dass ich aus Verzweiflung und Liebe zu dir so gehandelt habe? Mein Wunsch mit dir zu sprechen war so groß, dass ich keinen anderen Weg gesehen habe, als nur diesen! Meine Hoffnung du würdest mir einen anderen Weg zu dir zeigen war ebenfalls groß! Aus Liebe und Leidenschaft für einen anderen Menschen tut man vieles, weißt du das denn nicht? Ich denke, du kannst es verzeihen, wenn du es willst? Wenn du den Beweggrund berücksichtigst und wenn du dich an unsere Zeit erinnerst, dann wird deine Zuneigung nicht durch so etwas gestorben sein, von Heute auf Morgen, einfach über Nacht?! Oder kannst du mich nie wieder lieben, nur weil ich nicht rational genug bin? Soll ich so sein, wie du? Seit wann liebt man Menschen, die genauso sind wie wir selber? Trotz all’ deiner Zurückweisung liebe ich dich noch immer so sehr, das ich daran zu zerbrechen drohe! Du weißt, ich habe noch nie im Leben einen Mann so geliebt, wie ich dich jetzt liebe, und du änderst daran nichts! Ich kann dich nur bitten, dass du dich mir wieder zuwendest, wenn es kein allzu großes Opfer für dich bedeutet? Was habe ich getan? Wie kann ich deine Zuneigung wieder gewinnen? Wie dir zeigen, dass ich mir nichts so sehr wünsche, wie deine Nähe und es irgendwie nicht schaffen kann, wenn du so zu mir bist? Wieso musst du so mit mir umgehen?

*

Wieder eine neue schaflose Nacht in Folge, wie viel kann ein Mensch aushalten? Ich werde wach, weil ich im Unterbewusstsein sowohl den leisegedrehten Fernseher, den Thomas als Wecker zu nutzen pflegt als auch die Melodie seines Handys gleichzeitig vernehme, aber immer noch nehme ich nicht wahr, was das eigentlich ist, bis Thomas ans Telefon geht. Der erste bewusste Gedanke, der mich befällt: Heute ist eine Zusammenkunft und ich würde dich sehen, seit einigen Wochen habe diese Tage ein wirklich gemischtes Gefühl in mir verursacht. Zum einen die einzige Möglichkeit dich zu sehen, Vorfreude, noch immer klopft mein Herz, wenn du zur Tür herein kommst, fast automatisch ziehst du meinen Blick an, so als gäbe es keinen anderen Menschen um uns herum! Andererseits gab es diese Ereignisse in den letzten Wochen, die zugegebenermaßen nicht leicht für dich gewesen sein müssen, nicht für dich und auch nicht für mich! Jedes Mal hast du es durch deine Briefe geschafft, dass ich mich schlecht gefühlt hatte! Deine letzte Karte betrachte ich als einen unlöblichen Höhepunkt dessen, ganz schuldlos daran bin ich freilich nicht, aber kann man dennoch mit jemanden, von dem man weiß, das er einen über alles liebt so umgehen? Kann man mit jemanden, den man selber zumindest sehr mag so umgehen, zumal du gemerkt haben musst, nicht den rechten Ton getroffen zu haben! Na ja, ich wusste und weiß, du bist kaum der Mann, der immer die rechten Worte findet, zumindest dann, wenn es um Gefühle geht, Nun habe ich Angst vor jedem weiteren Tag dich zu sehen, wieder irgendetwas festzustellen, das du dich gewaltsam von mir entfernst, dich von mir abwendest, mir zeigen willst, wie sehr du auf mich verzichten kannst und entschlossen bist, das durchzuziehen! Und ich, ich kann nicht mal annähernd so tun, als seiest du mir egal! Ich bin keine gute Schauspielerin! Also, wie wird dieser Tag enden? Bis dahin sind es noch viele Stunden und die Gedanken daran, werden mich den ganzen Tag nicht loswerden, das weiß ich! Wieder begehre ich mich in den Schlaf zu dösen, in der mir eigenen Art ziehe ich die Bettdecke über den Kopf, als könnte ich mich dadurch von allem entfernen, was um mich herum ist und nur für mich sein! Doch da sind so viele Gedanken, die mich völlig vereinnahmen und nicht los lassen wollen, Gedanken an dich! Es wäre schön, wenn du jetzt bei mir wärst und mich trösten könntest …!

Auch diese Nacht das selbe Spiel, zwischen einschlafen wollen, tastend Buch suchen, lesen und an dich denken immer hin und her wechselnd bringe ich sie wieder hinter mich, bis sie vorüber ist und ich näher dem bin, was ich so sehr begehre, dich zu sehen und wovor ich am meisten Angst habe, der bangen Frage, du wirst mich wieder verletzen? Ich denke an die letzte Zusammenkunft am Sonntag. Das erste Mal habe ich dich irgendwie nicht kommen sehen, mein Blick suchte dich und fand dich nicht, ich war beunruhigt. Ich durfte den Saal nicht alleine verlassen, Thomas schlich mir hinterher, wieder folgten irgendwelche aufgezwungen! Ich dachte, du bist nicht da, nur dieser Gedanke setzte sich in mir fest! Alles um mich herum schien dieser einen Frage zu weichen! Als wir wieder herein kamen, uns setzten sagte mir Thomas, du seiest da, sitzt ganz hinten in der letzen Reihe! Mein Herz schlug schneller, ich nutze eine Gelegenheit und hob Salomés Stift auf, um einen Blick nach hinten zu werfen, ich musste mich davon überzeugen, dich ansehen! Tatsächlich da hast du gesessen, diesmal meinem Blick nicht ausweichend, du hast traurig ausgesehen! Ich hatte mir so sehr gewünscht, dass du meinem Blick nicht ausweichen würdest und innerlich war ich froh! Doch wusste ich genau, was mich an diesem Tag noch erwartet, der von Thomas geforderte Brief, du musstest ihn schreiben und ich kann nicht mehr unterscheiden, ob du etwas tust, weil du musst, oder ob es so ist!? In mir dreht sich alles, aber zumindest weichst du meinem Blick nicht aus! Ich gehe raus, komme wieder rein und sehe durch die Glastür, wie du in meine Richtung siehst, ich bin froh, das du mir deinen Blick gibst, gebe dir auch einen, möchte am liebsten zu dir, alles in mir schreit vor Sehnsucht nach deiner Nähe und du hörst es nicht! Ich muss mich zufrieden geben mit einem Blick von weitem, alles was ich momentan bekommen kann und das vielleicht für immer, weil du nicht mehr bereit bist, mir mehr zu geben, obwohl du mich lieb hast? Die Versammlung geht vorüber, du kommst auf uns zu, zuerst gibst du Andreas die Hand, danach kommst du zu mir, gibst mir deine Hand, ich höre dich meinen Namen sagen, deine Stimme klingt merkwürdig verändert … dünn, das ist mir schon seit einiger Zeit aufgefallen! Deine Augen schauen mich an, sie wirken so vertraut und doch erkenne ich etwas, was ich noch nie zuvor darin sehen konnte, es war die Traurigkeit, die schon seit Wochen darin lag, aber noch etwas anderes, ich bin mir nicht sicher, aber war es Sehnsucht nach mir? Du schautest mich an, als ob du mir, bevor du ihm den Brief geben würdest noch etwas mitzuteilen hättest! Was war es oder nur blanke Einbildung? Wolltest du sagen, denk an alles, was ich dir gesagt habe, nimm es nicht so wichtig, was ich tun muss? Ich würde es gerne wissen! Dann baust du dich vor Thomas auf und holst den Brief aus deiner Jackettasche heraus und was danach passierte beschäftigt mich nun seit der ganzen Woche, keine Antworten findend und hat bei mir dieses Gefühls Hin und Her ausgelöst! Du musst gewusst haben, das mich dieser noch mal vor Thomas wiederholte endgültige Bruch mit mir nochmals tief treffen würde, war es doch der Grund, warum ich weglaufen wollte. Du wusstest, dass ich diesen Brief lesen würde und hast darauf gewartet meine Reaktion zu sehen … Warum? Ehrlich gesagt, ich finde keine Antwort darauf. Du standest mit verschränkten Armen da und hast dich unterhalten, aber mich nicht aus den Augen lassend, das ganze Elend sehend und nichts zu tun! Seitdem befinde ich mich noch mehr in dieser Sackgasse, diesem Labyrinth, stelle mir diese Fragen nach dem Warum, ohne Antworten zu finden! Ich würde damit leben können, wenn du mir gesagt hättest, du musst das machen, wir warten bis Thomas Ruhe gibt und sehen dann weiter! Doch das hast du nicht gesagt, du willst gar nicht mit mir reden!

Danach muss ich mir dann immer und immer wieder anhören, wie Thomas die ganzen Angelegenheiten beurteilt! Er meint, du würdest ihn nur ruhig stellen wollen. Irgendwie sagt er mir genau das, was ich hören will, was mich beruhigen würde, wenn ich es aus deinem Mund hören könnte! Aber so glaube ich dem ganzen nicht, woher will Thomas das wissen! Außerdem sagt er mir das, um mir zu zeigen, wie du angeblich wirklich bist, ich soll endlich aufwachen und dich sehen wie du wirklich bist …! In Wirklichkeit heißt das, ich soll dich sehen, wie alle anderen dich sehen und das kann ich nicht, nein niemals! Der absolute Höhepunkt unserer Auseinandersetzungen kam am Montag, als Thomas mir doch tatsächlich erlauben wollte zu dir zu fahren, mich mit dir zu unterhalten! Ich solle endlich mal aufhören, dein Spielzeug zu sein, die auf alle deine Spielchen nur reagiert und mal was tun, aktiv werden und was machen, womit du gar nicht rechnest! Und das, obwohl er weiß, dass immer ich diejenige bin, die Kontakt zu dir sucht und aufnehmen wollte! Ich bin verzweifelt hin und her gerissen! Ich wünsche mir natürlich sehr zu dir zu fahren, aber nach allem, was du gesagt hast, du würdest mich wieder verletzen! Es tut mir jetzt in jedem Falle weh, die Erlaubnis mit dir reden zu dürfen (ob sie nun ernst gemeint ist oder nicht) und die Angst vor deiner möglichen Reaktion, ich entschließe mich, nicht zu dir zu kommen und es schmerzt! Warum müsst ihr Männer uns nur immer quälen, auf unsere verletzten Seelen einschlagen? Das hatte alles übertroffen, was ich mir in den letzen Wochen über deine Person anhören durfte, nein musste, denn wirklich hören wollte ich es nicht! Alles das konnte mich aber nicht dazu bringen dich nicht mehr zu lieben, dich anders zu sehen, als ich dich sehe. Und selbst meine sich in meinem Kopf immer kreisenden Fragen halten mich nicht von den Gefühlen zurück, die ich für dich empfinde! Nur wünschte ich mir, mit dir zu reden und Antworten zu bekommen, Antworten, die nur du allein mir geben kannst! Was ist, wenn du ganz hier weg musst und alle diese Zeit jetzt bleibt ungenutzt für uns und wir können uns nicht sehen und dann nie mehr sehen? Im inneren habe ich davor Angst, es in der Versammlung zu erfahren, dass es mich unerwartet trifft, ich es erfahre und nicht damit umgehen kann! Ein wenig hoffe ich ja, du bleibst in unserer Versammlung, aber wenigstens in der Hochstraße! Dann verziehen sich vielleicht die Wolken und wir könnten uns irgendwie wieder treffen. Vielleicht sogar in den Dienst gehen, wenn du ein fremdes Predigtdienstgebiet hast, wo uns keiner aus unserer Versammlung sehen würde? Wärst du dann dazu wieder bereit oder hast du mich endgültig aus deinem Leben, deinem Herzen gestrichen? Diesen Gedanken will ich nicht denken, aber immer wieder drängt er sich nahezu mir auf! Du hast mir geschrieben, es sei AUS! Ich weiß aber auch, das Männer immer wieder dazu bereit sind getroffenen Entscheidungen zu revidieren, wenn es sich heraus stellt, das sie übereilt getroffen wurden, bist auch du noch mal dazu bereit? Ich wünsche es mir so sehr!

In diesen meinen Gedanken versunken gelingt es mir deutlich früher wieder einzuschlafen als sonst, wache aber genauso spät auf, wie am Vortag! Was ist das? Ein Zeichen meiner physischen Entkräftung? Sicher! Ich habe geträumt von dir, es war ein sehr schöner Traum! Die Umgebung war fremd, spielte aber keine Rolle, wir standen uns gegenüber, genauso, wie in letzter Zeit oft, ich mit gesenktem Blick! Ich wusste kaum etwas zu sagen, hatte Angst vor deiner Ablehnung! Du nahmst sanft meinen Arm und zogst mich näher an dich heran, ich gab nach. Deine Arme legten sich um mich und du hieltest mich so fest. Nach einem tiefen Blick in die Augen küsste ich dich auf die Wange, du flüstertest: „Nein, nicht so.“ und nach einem weiteren Blick in die Augen küsstest du meine Lippen mit deinen, erst sanft, dann wieder ein Blick in die Augen, ein Blick so wie man abstürzt in den Anderen! Deine Hand griff meinen Nacken fest und dann küssten wir uns und konnten nicht mehr aufhören! Nie vorher hatte ich so etwas geträumt von dir und mir, wieso gerade jetzt? Jetzt wo du nichts mehr mit mir zu tun haben willst? Jetzt wo ich dich nicht mehr sehen kann? Ausdruck meiner tiefen Sehnsucht nach dir … wahrscheinlich!

Während ich ohne Antrieb wie jeden Morgen im Bad verschwinde und feststelle, das auch am heutigen Morgen der Spiegel seine Freundschaft verweigert, denke ich bei mir, von diesem Traum kann ich eine Weile zehren, nicht ahnend, das dieser Tag mich um einiges zurück werfen würde! Alles schien zunächst wie immer zu werden, derselbe Weg, wieder sinnierend über dich, den Traum, wieder Tränen. Aber als ich wieder zu hause ankam und Thomas telefonieren hörte war mir sofort klar, du bist am anderen Ende, obwohl keines der gesprochenen Worte darauf hindeutete! Es lag einfach in der Lust, sie war energiegeladen, spannte und es knisterte, ich konnte das spüren! Ich brach innerlich zusammen und äußerlich in Tränen aus! Gerade auf dem Weg hatte ich beschlossen ab jetzt daran zu arbeiten, nicht immer darüber Auskunft zu geben, wie ich über dich denken mag! Ich dachte, vielleicht hilft das endgültig die Situation zu entspannen, auch ich brauche Ruhe und Frieden, denn mein physischer Zusammenbruch bahnt sich unaufhaltsam an, ich kann ihn spüren, weiß das er kommt, bald!

Irgendwann geht Thomas, ich rufe in aller Verzweiflung Andreas an, erzähle ihm, was ich wieder angestellt habe, er hört nur zu, was soll er auch sagen. Ich bin verzweifelt, ich denke, du hasst mich, was denkst du jetzt von mir, nach dem was Thomas dir erzählt hat! Du musst mich hassen, was bleibt dir anderes übrig. Kaum lege ich auf, setze mich ins Wohnzimmer, an der Tür klingelt es, ich habe keine Kraft zur Tür zu gehen, ich bin innerlich nur aufgewühlt. Linda fängt an hilflose Gesten durch die Scheibe der Wohnzimmertür zu deuten! Ich denke, irgendwas ist passiert, sie raunt mir zu: „Es ist Hans Jürgen“, ich fange an am ganzen Körper zu zittern, denke, was du willst, was habe ich angestellt, das du kommen musst. Was wirst du mir sagen wollen? Ich bin hilflos, wirst du das merken. Du kommst wie immer, ohne zu zögern kommst du herein, ich bekomme kaum was mit! Die ganze letzte Woche war meine Wohnung von bester Ordnung, gerade jetzt wo ich kaum Kraft hatte mich um alle Belange zu kümmern, musst du kommen, es liegt allerhand herum, was nicht herum liegen sollte, vor allem nicht, wenn man Herrenbesuch empfängt! Ich hoffe, du merkst es nicht! Das erste Mal sehe ich dir nicht in die Augen, bemerke ich im Nachhinein! Ich bin zu kraftlos, zu desorientiert und zu ängstlich. Deine Stimme ist sanft und wirkt beruhigend auf mich, trotzdem breche ich in Tränen aus. Manchmal wundert es mich wirklich, dass ich überhaupt noch Tränen zu vergießen habe! Ich hatte schon von Thomas erfahren, dass du in der Hochstraße bleiben kannst, erfahre nun von dir, dass du in Petras Versammlung wechselst. Eine zentnerschwere Last wurde von mir genommen, das wovor ich die meiste Angst hatte, nämlich, das du gehen wirst, bleibt mir erspart, wenngleich ich mich frage, was es mir nutzt, wenn du darauf warten willst, bis Thomas uns erlaubt uns zu sehen. Ich hatte die ganze Zeit überlegt, ob du (im positiven Falle, das du bleiben kannst) nach Weißensee, Mitte oder Lichtenberg gehen würdest. Ich hatte Humboldthain als die beste Variante angesehen, aber nicht zu hoffen gewagt, dass dies eintrifft, denn es ist ja keine Versammlung des ehemaligen Ostens. Aber nun nutzt es mir nichts mehr, obwohl mir einfällt, du hattest mal gesagt: „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“, vielleicht stimmt das ja doch!

Die meiste Zeit rede ich und wie immer lässt du mich reden, dein Zuhörblick, wie ich ihn zu nennen pflege aufgesetzt! Ich sehe dich da sitzen in deiner grünen Strickjacke und muss innerlich schmunzelnd daran denken, wie ich mich danach gesehnt habe, dich in deiner grünen Strickjacke sehen zu dürfen, obwohl ich sie so fürchterlich finde! Es erstaunt mich, das du darüber erstaunt bist, das ich die ganze Zeit dich nur sehen wollte um zu Reden. Was dachtest du denn? Dieses Gespräch mit dir zu führen war wonach ich mich am allermeisten gesehnt habe. Ich bin sicher, dir das auch geschrieben zu haben. Ich werde trotzdem nicht sagen, dass ich aufgehört habe dich zu lieben. Ich war die ganze Zeit immer ehrlich zu dir und bleibe das auch. Ich habe dir die Wahrheit über meine Gefühle, Gedanken, Wünsche und Träume verraten, Du weißt wie kein anderer, was mich interessiert! Unsere Gespräche waren immer gut und ich denke, dass wir uns gegenseitig viele schöne Momente gegeben haben, das alles soll nie mehr sein, weil du warten wirst, bis Thomas seine Erlaubnis geben wird und ich weiß, das wird nie geschehen! Ich höre mit Erstaunen auch, das ich angeblich immer noch glaube, das du mich doch noch heiratest, obwohl ich so etwas niemals gesagt habe, auch nirgendwo geschrieben habe! Ich soll dämonische Musik hören, soll in den Fängen derselben sein? Ich kann kaum glauben, was ich höre und bringe das auch nicht zusammen! Ich versuche im Nachhinein diese Gedanken zu ordnen und es gelingt mir quasi erst eine Nacht später!

Ich liege bereits nach einer Stunde Schlaf wach, meine Gedanken fahren Achterbahn in einer Wendeschlaufe, kommen immer wieder zurück, als ob sie warten niedergeschrieben zu werden, um dann erst verschwinden zu können. Ich stelle alles gegenüber, was ich von Thomas höre und was ich von dir höre! Es passt nicht zusammen!

Thomas erzählt mir, wie schlecht du über mich redest, wie du in anderen Versammlungen mit anderen Frauen umgegangen bist, wie du mich manipuliert haben sollst, was du angeblich geplant hattest, lauter Dinge, die ich nicht glauben kann. Es verletzt mich aber jedes Mal aufs Neue! Aber ich muss mir das anhören, ob ich will oder nicht ist egal! Du wiederum erzählst mir, etwas ganz anderes. Ich bin komischerweise geneigt, dir mehr zu glauben, warum kann ich nicht genau sagen! Aber es klingt logischer und warum solltest du hier her zu mir kommen, um mir so was zu erzählen! Es liegt kein Grund vor! Mich durchfährt blitzartig ein Gedanke, jetzt weiß ich es! Thomas ruft nachts in dem Wissen bei dir an, das du logischerweise schlussfolgern würdest, dass ich es wäre. Thomas erzählt dir Dinge, die dich beunruhigen sollen, wovon er weiß, das sie zwischen uns eigentlich längst geklärt waren, um dich von mir fern zu halten, um dir meine Unzurechnungsfähigkeit zu demonstrieren! Thomas will das letzte Band, welches zwischen uns existiert hat und von dem alle gesehen haben, es ist da, zerstören, mich in deinen Augen total zu einem Risiko machen! Der Beweggrund ist da! Dabei habe ich ihm die ganze Zeit ganz klar gesagt, ich will doch nur mit dir Sprechen dürfen, ganz normal, wie zu allen anderen auch. Ich will ein normal freundschaftliches Verhältnis,. Dennoch sagt er dir bewusst das Gegenteil von allem, was ich sage1 Sogar im Internet habe ich geschrieben, das ich das so möchte, das es mir reicht und das ich nur Angst habe, dich ganz und gar als meinen Freund zu verlieren, das ich das nicht ertragen kann! Eigentlich hätten deine Kenntnisse der Psychologie dich zu demselben Schluss kommen lassen müssen, wie mich jetzt. Ich höre gar keine Musik, wie auch! Ich wollte lediglich meine Gedichte veröffentlichen, wollte wissen, ob sie gut, schlecht, naiv sind. Scheinbar sind sie gut, nur dir scheinen sie nicht gefallen zu haben! Da liegt mein ganzes Herz drin und einige haben mir sogar geschrieben, dass sie Herzklopfen machen, obwohl diese Leute weder mich noch dich kennen! Ich habe bei dem Gedicht, was Thomas dort im Moment eures Telefonats geöffnet hat geschrieben: „Freud mich, das es euch gefällt, selbst wenn es für einen sehr speziellen Menschen geschrieben wurde.“ Mehr nicht, ganz unverfänglich und völlig anonym! Nichts von große Liebe und heiraten! In den Fängen der Dämonen soll ich sein! Wohl weil Thomas einiges nicht mehr versteht! Ich habe ihm auch meine in den Favoriten gespeicherten Links zu den Gedichten von Goethe gezeigt! Ich wollte unbedingt seine Reaktion dazu wissen! Er meint nur, ich beschäftige mich wohl nur noch mit Quatsch! Du weißt wie sehr ich diese Gedichte liebe, wie wichtig mir ist, das jemand diese Poesie mit mir teilen würde, wenn er selber auch nicht vor Begeisterung umfällt, wenigstens so tun als ob! Nein, das ist nicht drin, so als wäre alles was nicht von der WTG heraus gegeben wird schlecht! Er hat auch dasselbe von dir behauptet, wir zwei hätten uns mutwillig mit dämonischen Büchern beschäftigt und du hättest sie hier angeschleppt! Das ist genauso wenig Richtig, nur im Gegensatz zu dir glaube ich nicht alles, weil ich Thomas derzeitige Verfassung richtig einzuschätzen weiß! Seine Freundschaft ist dir nun wichtiger als meine? Du willst warten bis er uns Kontakt erlaubt und sagst damit „NIEWIEDER!“ Vielleicht unbewusst, aber so ist es nun mal! Meine

Freundschaft war echt, ich habe zu dir gestanden, auch wenn alle anderen dich anders gesehen haben, ich habe dich verteidigt auf allen Ebenen, auch wenn ich das nicht machen musste. Ich habe dich wirklich sehr lieb, egal was du tust, einfach will du es bist! Und du kannst auf mich verzichten für immer, weil du genug Freundschaften zu anderen Schwestern pflegst, die weniger emotional belastet sind? Du weißt genau, wenn es darauf ankäme, hätte ich immer wieder Ideen, einen Weg zu dir zu finden, aber du brichst alle Brücken ab, damit soll ich nun einfach leben? Damit muss ich nun einfach leben! Mir wäre es lieber, wenn du viele emotionale Bedürfnisse in mir nicht geweckt oder wiederbelebt hättest! Ohne dir die Schuld geben zu wollen! Aber ich denke schon, das du und deine Art mit mir umzugehen, den ausschlaggebenden Punkt dafür gegeben hat, das ich mich meiner poetischen Ader, meiner Liebe zu Goethe erinnert habe. Es ist ja nichts neues, nur tief im Unterbewusstsein vergraben gewesen, weil meine Interessen immer unwichtig und dämonisch sind! Dabei war Goethe ein tief gläubiger Mensch, der sogar über die Schöpfung, die Bibel und über Jesus Gedichte schrieb. Er har auch wissenschaftliche Abhandlungen verfasst und die Schöpfung und Gott darin gepriesen! Und er war mir sehr ähnlich, er war unfähig Schmerzen zu ertragen, sowohl körperlicher als auch psychischer Natur und das war bis zu seinem Tod so! Einige Leute, die ihn im Alter kannten bestätigten sogar, dass er seine große Liebe Charlotte von Stein bis zu seinem Lebensende geliebt hat! Sie war lange Tod, viel zu früh gestorben! Er hatte später geheiratet, über Christiane gibt es nur ein Gedicht, beschwingt und oberflächlich, kaum dem tiefgehenden Stil Goethes entsprechend. Bei ihrem ebenfalls verfrühten Tod, brachte er lediglich vier Zeilen zu Papier! Du siehst, ich gerate ins Schwärmen für diesen großen Dichter und Thomas findet mein Interesse belanglos, unwichtig … dämonisch! Ist das fair? Und du glaubst ihm, nach allem, was du über mich weißt? Du müsstest es besser wissen! Aber ich verstehe, wenn du denkst, ich rufe nachts bei dir an und melde mich nicht Mal, wenn du den Hörer abnimmst, was sollst du dann glauben? Ich versuche mich sowohl in dich als auch in ihn hineinzuversetzen, das ist ein ziemlicher Spagat, der wahrscheinlich kaum gelingt! Zu wenig weiß ich von dir, zu wenig hast du mir gezeigt, aber was du mir gezeigt hast, das war doch echt, oder? Thomas redet mir ein, dass du, das Ekel, nur eine Rolle für die wenigen Stunden mit mir gespielt hast! Aber ich glaube es nicht, weil ich es nicht glauben will! Es gibt einfache psychologische Grundregeln als Erklärung dafür, warum du zu mir anders warst! Zum einen die „selbsterfüllenden Prophezeiungen“ und zum zweiten das „abweichende Verhalten“. Das sind Grundregeln, die auf alle Menschen anzuwenden sind, man kann sich dem nicht entziehen, selbst wenn man sich gut mit der Materie auskennt! Das ist auch der Grund, warum ich mich selber kaum aus meiner misslichen Lage zu befreien vermag! Ich unterliege hier diesen beiden Zwängen, bekomme zum einen immer gesagt was ich falsch mache und tue es dann auch, da überschneiden sich beide Aspekte! Es ging mir gut, als wir Kontakt hatten, es waren wenige Stunden in denen ich das Gefühl hatte ernst genommen zu werden, auch wichtig zu sein, das gab Kraft! Aber jetzt …! Warum unterliege ich noch dem dämonischen Einfluss? Gestern kam in einem Gespräch noch rüber, dass ja nur die Dämonen bewirken könnten, das ich mich nun gerade in dich verlieben musste (wo du doch so ein Ekel bist)! Er wollte wieder mal wissen, was mich dazu bewogen hatte, ich sollte ganz ehrlich sein, konnte aber nicht mal den ersten angefangenen Satz zu Ende reden, weil das ja alles nur Hirngespinste meiner Phantasie sind! Es tut weh und nun werde ich schweigen darüber! Du bist kein Ekel, wenn man sich die Mühe macht dich mal kennen zu lernen, nur ist das den Leuten zu mühsam! Dafür kann ich nichts und ändern kann ich auch keinen! Ich möchte mir deiner Freundschaft gewiss sein und dich treffen dürfen. Ich vermisse dich und alles was nur uns Beiden gehört hat! Dein Gesicht, dein Lachen, deine Augen und deine Gesten! Du weißt doch, ich war mit allem zufrieden, was du mir geben wolltest, meine Briefe mit den Gedanken, Gefühlen, Wünschen und ungeträumten Träumen wollte ich dir geben, damit ich nicht in Versuchung komme mit jemand anders darüber sprechen zu müssen, ich bin doch eine Frau! Frauen reden gewöhnlich mit vertrauten Freundinnen über ihre Gefühlswelt, in diesem Fall ist mir das unmöglich, also bliebst nur du, dich, den es betrifft! Verstehst du nun? Ich würde deinen Ruf zerstören, wenn ich nicht schweige, aber das wollte ich nicht. Ich dachte, nach allen Büchern, die du gelesen hast, ist dir diese weibliche Ader nicht fremd! Du würdest das verstehen! Habe ich mich so getäuscht! Ich würde alles tun, jede Bedingung annehmen, nur um dich sehen zu dürfen, offizielle oder inoffiziell, egal!

Da du aber wahrscheinlich diese Zeilen hier, die ich als meinen Seelenmülleimer betrachte, sowieso nie zu lesen bekommen wirst, ist das ja wohl egal! Ich habe das Gefühl, ich würde platzen, wenn ich alle meine Gedanken nicht aufschreiben könnte! Nur so verlassen sie meinen Kopf und verschonen mich hoffentlich für immer! Thomas erwartet, das ich mit ihm rede über alles, aber durch reden bleiben meine Gedanken im Kopf, verlassen mich nicht, bis sie aufgeschrieben sind!

Du fragtest mich noch, warum ich nicht einfach leben könne, wie zu der Zeit, als ich dich noch gar nicht kannte! Ich meinte, dass du erwachsen genug sein müsstest, um dir das selber zu beantworten! Nein, du wärst ja nicht so, deine Antwort! Ganz einfach eigentlich; von dem ich nicht weiß wie es ist, kann mir auch nicht fehlen! Ich kannte dich nicht, wusste nicht, wie gut es tut mit dir zusammen sein zu dürfen, ich betrachte es als Geschenk! Wie solltest du mir vorher wohl fehlen, wenn ich nichts wusste, außer das du da ab und zu mal stehst und meistens alleine bist, unnahbar wirkst und geheimnisvoll! Wie solltest du mir fehlen, mit dem ich nie Zeit verbracht habe, über den ich nie nachgedacht habe! Ist das Leben für dich jetzt wirklich genauso, wie zu der Zeit in der du mich nicht kanntest? Jetzt wo du mich aussperrst, fehlt dir gar nichts? Habe ich dein Leben kein wenig bereichern können, dir gar nicht gegeben von mir? Hinterlasse ich keine einzige Spur in deiner Seele? Das würde mich traurig machen, wollte ich doch dein Herz berühren! Ich bin sicher, dass du alles das auch weißt und kennst, selbst wenn du anders bist als ich, was ja offensichtlich der Fall ist! Du kannst dies Schlussfolgerungen auch ziehen, weil sie offensichtlich und logisch sind, mit Emotionalität haben sie vergleichbar wenig zu tun, wie ich finde! Wir Menschen sind im Bilde Gottes erschaffen worden und in vielen Dingen zeigen sich gleiche oder ähnliche Verhaltensmuster bei uns allen! Die Liebe ist etwas, was Jehova einem jeden von uns erstrangig mitgegeben hat und darauf baut sich alles auf! Ich habe über dich gelernt, dass du jemand bist, dem es nicht gelingt über seine Gefühle zu reden, aber das heißt nicht, dass du dich im Griff hast! Äußerlich schon, kein Zweifel, deine zur Schau gestellte Selbstbeherrschung lässt dich teils unnahbar wirken. Aber im Inneren sieht es ganz anders aus, sonst könntest du dich ganz anders geben! Wahrscheinlich bist du sogar jemand, der sich immer in die falschen Frauen verlieb, (was natürlich nur eine Spekulation von mir ist), der sich das aber selber nur schwer eingestehen kann, weil dann seine zur Schau gestellte Stärke dahin wäre! Aber das ist nicht wirklich schlimm, du bist ein sehr lieber Mensch und leider sehen das sehr wenige nur! Ich habe das in dir gesehen und wie du dich im tiefen deines Inneren danach sehnst geliebt zu werden, deshalb liebe ich dich wahrscheinlich so sehr! Aber jetzt ist alles unwichtig, weil du mich aus deinem Leben herauskatapultiert hast! Endgültig und für immer alle Brücken abgerissen!

*

Wieder liegt eine schlaflose Nacht hinter mir, nicht wissend, wie ich den Tag verbringen werde. Kommt wieder etwas Neues auf mich zu unerwartet mich aus allem reisend? Wie viel Schmerz kann ich noch ertragen und muss ich noch ertragen? Wenigstens bin ich diese Achterbahngedanken losgeworden, ich drücke mich in mein Kissen, die Bettdecke über den Kopf, vielleicht noch ein / zwei Stunden schlafen können, bevor der Spiegel mich mit aller Härte der Realität empfängt!

Und du hast mich nun so gesehen, die ungeschminkte Wahrheit. Ich hatte gehofft, dass mir wenigstens so viel Würde bleibt, dass du mich so niemals sehen musst, niemals sehen brauchst! Ich wollte diese Elend vor dir verbergen, wenigstens das für mich behalten und nicht zeigen brauchen! Wenn ich vorher schon nicht schön genug für dich war, was denkst du jetzt über mich?