Briefe an Hans-Jürgen - Schneetreiben

Durch's Fenster beobachte ich Schneeflocken,
wie sie scheinbar munter treiben.
Der Wind treibt mit ihnen ihgr Spiel.
Meine Gedanken beginnen mich fort zu locken,
in eine ferne Welt, in der wir zusammen bleiben.
Doch ich bin dir Last und viel zu viel?
*
Schnee ist nicht von Bestand!
Er schmilzt bei der geringsten Erwärmung!
So beneide ich ihn fast darum.
Bitte reich mir deine Hand!
Was niemals schmilzt ist meine Zuneigung,
bleibst du nun für immer stumm?
*
Und wähend ich so schaue
der weisen Flocken wunderschöne Pracht,
wünsch ich mir in meinem Herzen:
was zu hoffen ich kaum traue,
es könntest ganz über Nacht,
Du mich befreihen von meinen Schmerzen!
*
Ich sehe mich in meinen Kindertagen,
in denen des Winters weises Gewand,
Hochgefühl und Lachen mir abgewann!
Ganz andere waren meine Fragen,
meistens irgendjemand eine Antwort fand!
Alles wurde wieder gut, dann!
*
Und so schön wie die weise Schneedecke
in der Abenddämmerung glitzert,
im Schein des Mondlichts und der Laternen.
Die rechte Freude kann es in mir nicht wecken.
Mein vereistes Herz in tausende Stücke zersplittert.
Kannst du mich das Lechen wieder lernen?
*
Schon an einem neuen Morgen
ist das wunderschöne Weis
nicht mehr anzusehen wie noch neu.
Es ist grau, genau wie meine Sorgen,
das kein Glück mir will verheißen.
Meinem Herzen bleib ich dennoch treu!
*
Machtlos, ohne Antrieb zu verhindern
schau ich zu, wie all das Schöne
immer weiter wird verdrängt!
Du willst meinen Schmerz nicht lindern
auf das an Kummer mich gewöhne.
Hattest mir soviel geschenkt!
*
Und schon bald ist aller Schnee verschwunden,
weil es das Gesetz so will!
Wie werden nie vergessen, wie er sich anfühlt.
Du denkst es heilen meine Wunden,
nur weil ich schweige still?
Ich bin noch immer aufgewühlt!
***